Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen fordert für Präventionsarbeit eine Milliarde Euro jährlich

In ihrer aktuellen Studie zur Drogen-Affinität von Jugendlichen lieferte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung einmal mehr alarmierende Zahlen: 14 Prozent der Zwölf- bis 17-jährigen trinken mindestens einmal in der Woche Alkohol, 15 Prozent von ihnen haben den letzten 30 Tagen mindestens einmal fünf oder mehr alkoholische Getränke zu einem einzigen Trinkanlass konsumiert und sich damit als “Rauschtrinker” erwiesen. Ihren ersten Rausch erleben Jugendliche bundesweit im Alter von knapp 16 Jahren. Die Zahl der stationären Behandlung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wegen einer Alkoholvergiftung ist in den letzten zehn Jahren stark angestiegen: Im Jahr 2000 wurden “nur” 9.000 Personen im Alter zwischen zehn und 20 Jahren wegen eines schweren Rauschs in Krankenhäuser aufgenommen, 2010 waren es bundesweit 26.400 Fälle.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) forderte deshalb auf ihrer 52. Fachkonferenz in Leipzig jetzt eine massive Erhöhung der Ausgaben für Alkohol-, Tabak- und Drogenprävention. Bisher stehen dafür pro Jahr maximal 30 Millionen Euro zur Verfügung, erforderlich sei dagegen ein jährlicher Betrag von rund einer Milliarde Euro.

Alkohol- und Tabakhersteller versuchen, Werbebeschränkungen zu unterlaufen

DHS-Geschäftsführer Raphael Gaßmann formulierte diese Forderung in Relation zu den Werbeausgaben der Alkohol- und Tabakkonzerne: Für Werbemaßnahmen für Alkohol und Zigaretten würde in Deutschland jährlich eine Milliarde Euro ausgegeben – die Aufwendungen für Prävention müssten daher im gleichen Rahmen liegen.

Parallel dazu kritisierten die Sucht-Experten, dass die Hersteller von Alkohol und Tabakwaren oft versuchten, die freiwilligen Werbebeschränkungen für ihre Produkte zu unterlaufen und mit ihrer Werbung auch Kinder und Jugendliche zu erreichen. Helga Meeßen-Hühne von der Landesstelle für Suchtfragen Sachsen-Anhalt verglich die Präventionsarbeit ihrer Institution in diesem Zusammenhang mit einem “Hase-Igel-Spiel” und forderte, Verletzungen der Werberichtlinien für Alkohol und Tabak offensiver aufzudecken. Sie betonte, dass sich die Vorschriften zu Alkohol im deutschen Jugendschutzgesetz “seit 60 Jahren nicht geändert” hätten, die Jugendschutzgesetze heute jedoch strenger ausgelegt und weitaus konsequenter angewendet werden müssten.

Strafrechtliche Konsequenz dämmt illegale Drogen ein

Gemäßigt positive Nachrichten gab es dagegen vom “European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction”. Dessen Vertreter Roland Simon berichtete auf der Konferenz, dass die konsequentere Strafverfolgung dafür sorge, dass Suchtstoffe schwerer zu beschaffen sind und ihre Preise nicht weiter fielen. Strafrechtliche Konsequenz im Umgang mit illegalen Drogen sorge außerdem dafür, dass die Konsumenten in geringerem Maße auf eine vermeintliche Legalität von Suchtstoffen “vertrauen” und diese sogar als ein “Qualitätssiegel” betrachten würden.

Der Züricher Drogenberater Alexander Bücheli ergänzte, dass bei Drogen heute andere Wirkprofile gefragt seien als noch vor 20 Jahren: Beim Drogenkonsum Jugendlicher ginge es heute weniger um Introspektion und Rebellion als um Energie und Power, die größten Risiken der neuen “Freizeitdrogen” lägen in unbekannten Inhaltsstoffen.

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Datum: Freitag, 23. November 2012 10:50
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