Der Rückfall bei Alkoholkranken

Alkoholkrankheit ist nicht heilbar, man kann sie nur zum Stillstand bringen. Die meisten Alkoholkranken glauben, nach einer Phase der Abstinenz wieder mit Alkohol umgehen zu können. Leider vermuten das auch die Angehörigen. Das ist ein fataler Irrtum! Die Alkoholkrankheit ist wie ein “Chip” im Kopf gespeichert. Der Kranke fängt dort wieder an, wo er einst aufgehört hat.

Haben Sie selber einen Rückfall, werden Sie schnell feststellen, dass Ihnen der Alkohol wahrscheinlich nicht mehr schmeckt. Auch die erhoffte Wirkung tritt nicht mehr ein. Es ist schwer zu glauben, aber jeder, der einen Rückfall hatte, wird Ihnen das bestätigen. Die Abhängigkeit ist jedoch sofort wieder da.

Rückfälle sind normal!

Sie gehören zum Krankheitsbild Alkoholismus, denn der Weg aus der Sucht ist lang und steinig. Die emotionalen, körperlichen und sozialen Veränderungen durch lang anhaltende Abhängigkeit sind so gravierend, dass eine Umstellung ‘von heute auf morgen’ einen ungeheuren Kraftakt darstellt, dem auch Starke manchmal nicht gewachsen sind.

Alkoholismus ist eine Krankheit, kein Laster. Deshalb ist ein Rückfall nicht in erster Linie auf Willensschwäche zurückzuführen, sondern vor allem auf die Veränderungen des Hirns während der Sucht, die zu unangenehmen, zum Teil auch unerträglichen Zuständen führen, und die sich nur langsam zurückbilden.

Gesellschaftliche Stigmatisierungen und Verurteilungen rückfälliger Alkoholiker beruhen oftmals, aber nicht immer auf der Unkenntnis dieser Zusammenhänge. Bei Angehörigen und Freunden mögen Enttäuschung und Zorn noch verständlich sein, doch bei Vertretern der ‘helfenden’ Professionen – Ärzten, Suchthelfern, Therapeuten – sind negative Vorbehalte gegenüber Suchtkranken nicht gerechtfertigt. Vorwürfe und Anfeindungen sind im höchsten Grade kontraproduktiv, weil sie den Alkoholabhängigen zusätzlich unter Druck setzen und damit sein Suchtproblem verschärfen. Sie vermindern darüber hinaus auch seine Bereitschaft zu weiteren Entzugsbehandlungen.

Sind ‘Ausrutscher’ schon Rückfälle?

Der Mythos vom Rückfall durch eine Schnapspraline ist eben das – ein Mythos. Ein ‘Ausrutscher’ oder ein erneuter Konsum von Alkohol über einen begrenzten Zeitraum kann, muss aber nicht unbedingt zum alten Trinkniveau zurückführen.

Wie die Sucht selbst, hat auch der Rückfall Etappen. Wer immer wieder gesagt bekommt, dass schon ein Schlückchen Alkohol die absolute Niederlage bedeutet, ist eher geneigt, sehr schnell wieder ganz abzurutschen, weil er ja ohnehin ‘nichts mehr zu verlieren hat’. Am Ende schädigt jeder Schluck Alkohol Hirn und Organe, und die Therapiechancen sinken.

Die Rückkehr zur Abstinenz ist in jeder Phase des Rückfalls und vor allem nach Ausrutschern jederzeit möglich -, auch wenn sie mit steigender Konsummenge natürlich schwerer fällt!

Dessen sollten sich auch Angehörige und Freunde bewusst werden, um den Leidensdruck für sich und den Abhängigen nicht noch zu vergrößern. Wer von sich glaubt, er sei willensschwach (weil er es immer wieder gesagt bekommt), läuft Gefahr, sich aufzugeben. Aber: Alkoholismus ist und bleibt eine Krankheit, und Rückfälle sind quasi ‘vorprogrammiert’.

Haben Sie noch weitere Fragen zu diesem Thema? Wenden Sie sich an die Gesundheitsakademie Schmidbauer.

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Datum: Donnerstag, 28. Januar 2016 12:41
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