Chronische Phase des Alkoholismus

Einsetzen des Verlängerten Rausches: Die zunehmend beherrschende Rolle des Alkohols und das durch das morgendliche Trinken entstandene Verlangen brechen schließlich den Widerstand des Alkoholikers. Er ist jetzt auch am hellen Tag und bisweilen öfters in der Woche betrunken. Oft verharrt er mehrere Tage hintereinander in diesem Zustand, so dass er dem verlängerten Rausch unterliegt, bis er völlig unfähig ist (geistig und körperlich) noch etwas zu unternehmen.
Bemerkenswerter ethischer Abbau: Die mit diesem anhaltenden Exzessen verbundene Gleichgültigkeit gegenüber der Umwelt haben bei dem Alkoholiker einen erheblichen ethischen Abbau zur Folge.
Beeinträchtigung des Denkens: Auch das Denkvermögen weist erhebliche Ausfallerscheinungen auf. Sachliche Überlegungen vermag der Alkoholiker nicht mehr anzustellen, seine Gedanken verfolgen nur noch „krumme Wege“.
Alkoholische Psychosen: Bei vielen Alkoholikern treten in diesem Stadium die ersten alkoholischen Psychosen auf, das sind durch den Alkohol bedingte Geistesstörungen, Halluzinationen, psychosomatische und psychoasthenische Reaktionen.
Trinken mit Personen unter Niveau: Der Verlust der Moral und oft auch der Verlust der eigenen sozialen Stellung bewirken häufig, dass der Alkoholiker nach dem Motto „Unter den Blinden ist der Einäugige König“ mit Personen weit unter seinem Niveau trinkt, oder allgemeiner: mit Personen, mit denen er sonst im Leben keinen Kontakt suchen würde.
Zuflucht zu technischen Produkten: Wenn der Alkoholiker nichts anderes hat oder seine finanziellen Mittel nicht mehr ausreichen, nimmt er zur Befriedigung seiner Gier Zuflucht zu technischen Produkten, wie kölnisch Wasser oder Haarwasser, Franzbranntwein oder minderwertigen Wermut.
Verlust der Alkoholtoleranz: Geistige und körperliche Widerstandskraft sind abgebaut, der Alkoholiker benötigt keine große Menge mehr, um in den Vollrausch zu kommen. Jedoch der Vollrausch wird in seiner Wirkung immer kürzer. Das Trinken wird daher immer hektischer, der Circulus vitiosus rotiert immer schneller.
Undefinierbare Ängste und Zittern werden Dauererscheinungen: Anhaltendes Zittern (Tremor) ständige Niedergedrücktheit (Depression) Angstzustände (traumatische Neurosen) sind in diesem Stadium Symptome beim Alkoholiker, die auftreten, sobald in seinem Organismus kein Alkohol mehr vorhanden ist. Die ersten prädeliranten Zustände treten auf. Diese Zustände versucht der Alkoholiker dann wiederum mit Hilfe von Alkohol unter Kontrolle zu bekommen beziehungsweise sie damit zu überspielen.
Organische Nervenschädigungen (Polyneuropathie): Infolge der chronischen Alkoholintoxikation treten länger dauernde Schädigungen des peripheren Nervensystems auf, die also auch noch nach dem Entzug Störungen verursachen: Kribbeln und Taubheitsgefühle (sensibles Nervensystem) Greif- und Gangstörungen (motorisches Nervensystem) – vorwiegend in Händen, Armen, Füßen und Beinen.
Trinken wird Besessenheit: Aus der Notwendigkeit heraus, Ängste, Zittern, Hemmungen und so weiter zu überwinden, sieht der Alkoholiker sich gezwungen, ständig zu trinken. Damit nimmt sein Trinken den Charakter der Besessenheit (Obsession) an.
Das Erklärsystem versagt: Aber auch die vorerwähnten religiösen Vorstellungen und Wünsche vermögen dem Alkoholiker keine Antwort auf seine ständige Frage nach dem Warum zu geben. Die Erklärungen, die er sich aus seinem eigenen Erklärsystem gibt, werden häufig und unbarmherzig der Wirklichkeit gegenübergestellt, dass sie vollständig versagen. Er weiß sich keine Antwort mehr und gesteht seine Niederlage ein.
Zusammenbrüche: Als Folge dieser Niederlagen ergeben sich für den Alkoholiker seelische Zusammenbrüche, oft verbunden mit der alkoholischen Epilepsie. Diese Zusammenbrüche sind oft so schwerer Natur, dass die ärztliche Behandlung unbedingt notwendig ist. Selbstmordversuche sind in diesem Stadium keine Seltenheit.
(Quelle: Auszüge einer Hausarbeit)

Be Sociable, Share!

Autor:
Datum: Dienstag, 7. Dezember 2010 12:30
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Alkoholsucht

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben