BVG-Chefin Sigrid Nikutta: Klare Absage an ein Alkoholverbot im Berliner Nahverkehr

Gerade hat eine repräsentative Studie der “Zeit” und des Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov gezeigt, dass es in Deutschland durchaus Mehrheiten für alkoholfreie Züge gibt. Im öffentlichen Personennahverkehr fanden Alkoholverbote bereits positive Resonanz – so wird beispielsweise das vor einem Jahr erlassene Alkoholverbot im Hamburger Verkehrsverbund sowohl von Fahrgästen als auch den HVV-Mitarbeitern begrüßt.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben sich jetzt für einen gegenläufigen Weg entschieden. Die BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta ist sowohl gegen ein konsequentes Alkoholverbot in Bus und Bahn als auch gegen die Beschränkung des Verkaufs alkoholischer Getränke in den Bahnhofs-Kiosken und -Shops.

BVG kann gesellschaftlichen Wandel gegen Alkohol nicht allein bewirken

In ihrer Stellungnahme führte Nikutta an, dass anders als das Rauchen der Konsum von Alkohol in Restaurants oder Verkehrsmitteln nicht geächtet sei – ihre BVG schaffe es nicht, einen entsprechenden gesellschaftlichen Wandel allein in Gang zu setzen. Die Verkaufsstellen in den Bahnhöfen des Berliner Nahverkehrs brauchen ihrer Ansicht nach ein “Sortiment, von dem sie leben können” und das aus diesem Grund auch Alkohol umfassen müsse. Gleichzeitig belebten sie die Bahnhöfe und seien so ein “Element der subjektiven Sicherheit”. Bei den jüngsten Gewaltvorfällen in der Berliner U-Bahn sei zwar Alkohol im Spiel gewesen – die Täter hätten diesen jedoch nicht auf dem Bahnhof oder in den Zügen konsumiert, sondern seien dort schon betrunken angekommen.

Das “Grundproblem der Sicherheit” im öffentlichen Nahverkehr sieht die BVG-Chefin als eine Frage “des respektvollen Umgangs miteinander” an. Dieses Thema betreffe jedoch erstens nicht die BVG allein, zweitens sei Respekt dann sowohl gegenüber “Schlips-Trägern mit ihrem Coffee-to-go” als auch gegenüber “der Bierflasche des Jeansträgers” geboten.

Sicherheitsprobleme durch Alkohol – bei der BVG nur im Promille-Bereich?

Gleichzeitig warnte Nikutta davor, das Problem der Gewalt im Nahverkehr zu überschätzen: Die Berliner Polizei belege mit ihren Zahlen, dass in der Hauptstadt in dieser Hinsicht “eigentlich nicht viel passiert”. Problematisch sei in diesem Kontext vielmehr “die Macht der Bilder” respektive der Medien, die nur zu gern Aufnahmen der Überwachungskameras zu Prügeleien oder Überfällen in der U-Bahn übertragen. Im Vergleich zu den täglichen Fahrgastzahlen der BVG liege die Zahl der Gewalttaten in Berliner Bussen und Bahnen jedoch im Promille-Bereich. Das subjektive Sicherheitsempfinden der Fahrgäste versuchten BVG und die Berliner Polizei in den letzten eineinhalb Jahren durch mehr Präsenz im öffentlichen Nahverkehr zu stützen.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer ist die Haltung der BVG zu Alkoholverboten angesichts der aktuellen Alkohol-Debatte eher kontraproduktiv. Ganz sicher geht es nicht darum, die BVG für eine aktive Alkohol-Prävention in Berlin allein und exklusiv in die Pflicht zu nehmen. Ignoranz ist jedoch das exakte Gegenstück zu Prävention und setzt hier negative Zeichen.

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Datum: Montag, 3. Dezember 2012 11:58
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