Bundesfamilienministerium plant umstrittene Regelung gegen “Koma-Saufen”

Aus dem Bundesfamilienministerium kommt eine neue Initiative zum Jugendschutz, die das sogenannte “Koma-Saufen” unterbinden will. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) will das Jugendschutzgesetz um einen Punkt erweitern, der Jugendlichen unter 16 Jahren untersagen soll, sich am späteren Abend auf öffentlichen Veranstaltungen aufzuhalten, wenn es dort Alkohol zu kaufen gibt. Die FDP – sowohl die Bundestagsfraktion als auch Philip Röslers Wirtschaftsministerium – signalisierte bereits Widerstand, laut einem internen FDP-Vermerk sieht die Partei dabei “keine Kompromissmöglichkeiten”.

Publik machte die Angelegenheit gestern die “Bild am Sonntag” – unklar ist allerdings bisher, wie weit die Diskussion in Wirklichkeit gediehen ist. Das FDP-geführte Wirtschaftsministerium sprach von einem bereits vorliegenden Gesetzentwurf, der sich bereits in der Ressort-Abstimmung zwischen den involvierten Ministerien befinde. Das Familienministerium ließ dagegen wissen, dass es bisher nicht einmal einen Referenten-Entwurf gibt – “Überlegungen auf Arbeitsebene” kommentiere das Haus grundsätzlich nicht. Insider berichteten allerdings, dass ein ausgearbeiteter Gesetzentwurf zum Thema bereits seit dem 2. Juli 2012 kursiere. Die FDP meinte, dass Schröders gegenteilige Stellungnahme angesichts des FDP-Widerstands dazu diene, “abzuwiegeln”.

FDP: Unsinnige Regelung ohne Praxisrelevanz

Laut dem – realen oder hypothetischen – Papier sollen Teenager unter 16 Jahren nach 20 Uhr und zwischen 16 und 18 Jahren nach 24 Uhr Veranstaltungen mit Alkoholausschank nur noch dann besuchen dürfen, wenn Eltern oder Erziehungsbeauftragte dabei sind. Die Regelung beträfe unter anderem Konzerte, Clubs, Fanmeilen oder Vereinsveranstaltungen. Ausnahmen sollen für Jahrmärkte oder Brauchtums-Veranstaltungen gelten. Das Alter der Begleitpersonen soll von 18 auf mindestens 21 Jahre angehoben werden.

Die FDP wertete das Paket als “unsinnige Regelung”, die zudem kaum praxisfähig sei. Zudem greife es “in die private Lebensgestaltung” ein, habe nachteilige Wirkungen für die Veranstalter und treffe auch inhaltlich nicht die reale Problematik – jugendliche Alkoholexzesse erfolgten meist weniger im öffentlichen Raum als im privaten Rahmen.

BZgA: Nachhaltige Prävention durch Aufklärungskampagnen

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verortet das Problem “Koma-Saufen” übrigens inzwischen weniger bei Jugendlichen als bei jungen Erwachsenen über 18 Jahre. Im vergangenen Jahr haben nach den Daten der BZgA nur 14,2 Prozent aller Jugendlichen mindestens einmal in der Woche Alkohol getrunken, vor zehn Jahren waren es noch 17,9 Prozent.

Unter den jungen Erwachsenen tranken dagegen 43,5 Prozent regelmäßig bis zum Rausch – nur 1,6 Prozentpunkte weniger als vor zehn Jahren. Als Präventionsmaßnahme setzt die Behörde – neben dem existierenden Jugendschutzgesetz – auf nachhaltige Aufklärungskampagnen, welche die Jugendlichen möglichst früh erreichen und im Erwachsenenalter weiter wirken.

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Datum: Montag, 9. Juli 2012 11:49
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