BKH Augsburg: Eltern-Frühstückstreff für Familien mit Alkoholproblemen

Das Bezirkskrankenhaus Augsburg (BKH) geht neue Wege in der Betreuung von suchtbelasteten Familien. Ab sofort gibt es einmal wöchentlich einen Eltern-Frühstückstreff für Suchtpatienten, bei denen betroffene Eltern über familiäre Probleme im Zusammenhang mit ihrer Krankheit sprechen und für ihre Kinder professionelle Hilfe erhalten können. Finanziert wird dieses Angebot der Fachambulanz für Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit des BKH unter anderem durch den Augsburger Lions-Club sowie den örtlichen Verein Kinder-Eltern-Senioren (Ki.E.S).

Der Frühstückstreff für suchtkranke Eltern ist zentraler Bestandteil eines Projekts, das vor allem die Kinder alkoholabhängiger Patienten im Blick hat, die im BKH wegen ihrer Sucht stationär oder ambulant behandelt werden. Die Projektleiterin Sabine Kühnel erläuterte dazu, dass das Angebot bewirken soll, “dass sich Suchtpatienten angstfrei melden”. Eine allgemeine Kindersprechstunde gibt es im BKH bereits seit Jahren. Von den Familien der BKH-Patienten wurde sie gut angenommen – mit Ausnahme von Suchtpatienten. Nach den Erfahrungen der Sozialpädagogin machen diese ihre familiären Probleme durch die Krankheit auch in der “geschützten Öffentlichkeit” des Krankenhauses kaum zum Thema.

Im Zentrum des Projekts: Kinder aus Alkoholiker-Familien

Im Zentrum des Projektes stehen allerdings die Kinder, die bei Suchterkrankungen der Eltern – und speziell, wenn es dabei um Alkoholsucht geht – große Belastungen ertragen und kompensieren müssen. Alkoholabhängige Eltern können sich oft nicht mehr angemessen um ihre Kinder kümmern. Der Ärztliche Direktor des BKH, Professor Max Schmauss, thematisierte dies auch im Hinblick auf die jeweiligen Entwicklungsstadien der Kinder: Wenn Eltern in Phasen, in denen Kinder normalerweise Bindungs- und Beziehungsfähigkeiten entwickeln, in ihrer Sucht gefangen sind, steigt für die Kinder das Risiko späterer psychischer und sozialer Probleme beträchtlich an.

Auch das “Schweigegebot” über alles, was die Sucht betrifft, wirkt sich in diesem Kontext aus. Gleichzeitig erleben die Kinder von Alkoholabhängigen meist keinen kindgerechten Alltag. In vielen Familien kehrt sich die Rollenverteilung de facto um – die Kinder sorgen für ihre suchtkranken Eltern und jüngere Geschwister.

Deutlich höhere Suchtgefährdung in späteren Lebensjahren

Professor Schmauss betonte, dass die Langzeitfolgen für die Kinder sich danach richten, in welchem Maße diese “Resilienz” – also die Fähigkeit, ihre Situation positiv zu bewältigen – entwickelt haben. Generell sei das spätere Suchtrisiko der Kinder im Vergleich zu Familien ohne Alkoholprobleme rund sechsmal höher. Eine Rolle spiele hier nicht zuletzt die Vorbildwirkung der Eltern – Kinder aus Alkoholiker-Familien erleben früh, dass Alkohol als “Problemlöser” betrachtet wird.

Medizin-Statistiker gehen davon aus, dass in Deutschland rund 2,5 Millionen Kinder in Familien mit mindestens einem alkoholabhängigen Elternteil leben. Von Hilfsangeboten werden sie bisher kaum erreicht. Zu hoffen bleibt daher, dass das Augsburger BKH-Angebot demnächst auch in anderen Krankenhäusern Schule macht.

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Datum: Mittwoch, 22. August 2012 10:13
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