Besonderheiten des Gehirns erlauben Rückschlüsse auf Rückfall-Risiko bei Alkoholsucht

In einer Studie der Fakultät für Klinische Medizin Mannheim/Heidelberg gelang es einem Wissenschaftler-Team unter Leitung des Chefs der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Professor Dr. Andreas Heinz, das Rückfall-Risiko von alkoholkranken Patienten näher zu bestimmen. Bei rückfälligen Alkoholikern zeigten MRT-Aufnahmen des Gehirns sowohl funktionelle als auch strukturelle Auffälligkeiten. Erstautorin der Studie war Anke Beck, die jetzt darauf hofft, dass diese Ergebnisse sowie darauf aufbauende Forschungen dabei helfen können, besonders rückfallgefährdete Alkohol-Patienten frühzeitig zu identifizieren und ihnen gezielte therapeutische Unterstützung anzubieten.

Für die Studie wurden die Gehirne von 46 entgifteten alkoholkranken Patienten und einer gleich großen Kontrollgruppe untersucht. Aus der strukturellen Bildgebung ergaben sich Erkenntnisse über die anatomischen Eigenschaften der Gehirnsubstanz. In funktionellen Untersuchungen wurden außerdem elektrische Gehirnsignale als Reaktionen auf mit Alkohol assoziierte Reize gemessen. Bei einem zweiten Test nach einem Vierteljahr ergab sich, dass in der Gruppe der alkoholabhängigen Probanden 30 Personen einen Rückfall erlitten hatten und nur 16 abstinent geblieben waren.

Rückfall-Patienten: Verlust an “grauer Substanz” und Aufmerksamkeits-Plus durch Alkohol

Bei den rückfälligen Patienten zeigten sich im MRT in den Bereichen des Vorderhirns, die mit Emotionskontrolle und Verhaltensregulierung in Verbindung stehen, einen verstärkten Verlust der sogenannten “grauen Substanz”, die aus Nervenzellkörpern besteht und vor allem die Gehirnrinde (Cortex) konstituiert. Aus der Messung der elektrischen Gehirnsignale ergab sich, dass für die Verarbeitung alkoholassoziierter Reize bei den Rückfall-Patienten vor allem Gehirnregionen aktiviert wurden, die für die Aufmerksamkeitslenkung zuständig sind. Bei den abstinenten Patienten waren es dagegen Areale, die mit der Verarbeitung von Widerwillen erzeugenden (aversiven) oder besonders bedeutsamen Reizen in Verbindung stehen.

Die Wissenschaftlerin Anke Beck zog aus dieser Konstellation den Schluss, dass die Reaktionen der abstinent geblieben Patienten möglicherweise als Warnsignal funktionieren und bei einer Konfrontation mit Alkohol dazu beitragen, einen Rückfall zu verhindern. In künftigen Studien könnten diesen Aspekt vertiefen und eventuell in Beziehung zu anderen Faktoren der Alkoholsucht – beispielsweise genetischen Mechanismen – setzen.

Be Sociable, Share!

Autor:
Datum: Mittwoch, 26. September 2012 11:49
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Alkoholsucht

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben