Berliner Suchtstatistik: 40 Prozent Alkohol-Patienten, überdurchschnittlicher Anteil anderer Süchte

Berlin veröffentlichte jetzt seine Suchthilfestatistik für 2010. Für die Erhebung wurden die Daten von 19.652 Patienten ausgewertet, die in 46 Einrichtungen wegen ihrer Suchtprobleme Hilfe suchten, daneben flossen die Krankheitsdaten von 2.557 Personen in die Statistik ein, die in 14 Berliner Kliniken wegen ihrer Süchte stationär behandelt wurden. Die Mehrzahl der Berliner Sucht-Patienten ist männlich, oft außerdem Single und/oder arbeitslos. Rund 50 Prozent von ihnen suchten aus eigenem Antrieb Hilfe gegen die Erkrankung.

Oft Kombination von Alkoholmissbrauch mit Cannabis oder Kokain

Erwartungsgemäß hält Alkohol beim Missbrauch von Suchtstoffen nach wie vor den Spitzenplatz – rund 40 Prozent der statistisch erfassten Abhängigkeits-Patienten wurden wegen ihres Alkoholmissbrauchs behandelt. Ihr Durchschnittsalter lag bei 43 Jahren. Im Vergleich zu anderen Suchtpatienten hatten sie ein höheres Bildungsniveau.

Alarmierend im Kontext “Alkoholmissbrauch” waren unter anderem zwei spezielle Punkte: Zum einen konsumierten die statistisch erfassten alkoholkranke Berliner oft zusätzlich weitere Drogen wie Cannabis oder Kokain. Zum anderen betrifft die Suchterkrankung zunehmend Senioren jenseits des 60. Lebensjahres. Über entsprechende Daten der Techniker-Krankenkasse für Berlin und Brandenburg berichteten wir bereits in früheren Blog-Artikeln.

Cannabis, Opioide, Kokain – Berlin ist bundesweiter Spitzenreiter

Gleichzeitig spielen in Berlin im Vergleich zum Bundesdurchschnitt andere Drogen eine überdurchschnittlich große Rolle. So behandeln Suchthilfe-Einrichtungen in Berlin rund 25 Prozent mehr Cannabis-Süchtige als in anderen Bundesländern. Von Opioiden – Heroin und anderen morphinähnlichen Substanzen – waren etwa 56 Prozent mehr Personen abhängig als im Bundesdurchschnitt. Die Fälle von Kokain-Missbrauch waren in Berlin sogar um 133 Prozent höher als im Rest der Republik.
Cannabis konsumierten dabei vor allem junge Menschen. Mit einem Durchschnittsalter von 26 Jahren stellten sie in Berlin die jüngste Gruppe von Patienten, die sich wegen ihrer Drogensucht behandeln ließen, erhalten jedoch im Vergleich zu anderen Bundesländern später einen Therapieplatz und sind auch seltener von Auflagen nach dem Betäubungsmittelgesetz betroffen. Eine Strafverfolgung gibt es in der Regel erst dann, wenn die Polizei bei einem Cannabis-Konsumenten mehr als 15 Gramm des Suchtstoffs findet. Gleichzeitig kann die Cannabis-Sucht – ebenso wie früher Alkoholmissbrauch – Folgen für das ganze Leben haben. Rund ein Drittel der betroffenen Jugendlichen schaffen nicht einmal ihren Hauptschulabschluss. Insgesamt liegt der Cannabis-Konsum in Berlin um ein Drittel höher als in anderen Bundesländern.

Auch die Glückspielsucht fand übrigens erstmals Eingang in die Berliner Suchtstatistik – Spielsüchtige stellen demnach drei Prozent der Suchtpatienten in ambulanten Einrichtungen und ein Prozent
In Krankenhäusern.

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Datum: Montag, 13. August 2012 12:00
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