Bayern: Alkoholbedingte Krankenhausaufenthalte nehmen zu

Erst vor wenigen Tagen hat das Statistische Bundesamt Wiesbaden aktuelle Zahlen zum Alkoholmissbrauch Jugendlicher vorgelegt – demnach ist die Anzahl von Kindern und Jugendlichen, die mit einem schweren Rausch in den Notaufnahmen der Krankenhäuser landeten, 2011 im Vergleich zum Vorjahr weiter angestiegen. Der starke Aufwärtstrend bei diesen Zahlen hatte bereits in der Mitte der vergangenen Dekade eingesetzt. Jungen und junge Männer trinken sich dabei deutlich häufiger ins Koma als Mädchen oder junge Frauen.

Der Freistaat Bayern legte jetzt mit eigenen Daten nach, erfasst wurden – ebenfalls für 2011 sowie im Vorjahres- und einem langfristigen Vergleich – alle Fälle alkoholbedingter Krankenhausbehandlungen und Klinikaufenthalte. Wenig überraschend: Auch die Bayern neigen offenbar in wachsendem Ausmaß zu expliziten Alkoholexzessen.

Jugendliche Rauschtrinker – 210 Prozent mehr als zur Jahrtausendwende

2011 wurden in Bayern insgesamt 52.196 Personen wegen alkoholbedingten Krankheiten stationär behandelt. Gegenüber 2010 handelt es sich mit einem Anstieg um 1,8 Prozent dabei um ein eher moderates Wachstum, im Vergleich zum Beginn der 2000er Jahre haben die entsprechenden Fälle allerdings um 35 Prozent zugenommen. Im Jahr 2000 wurden lediglich 38.617 Personen wegen der Folgen ihres Alkoholkonsums in bayrische Krankenhäuser aufgenommen.

Rund die Hälfte aller Patienten, die unter den gesundheitlichen Folgen ihres Alkoholkonsums zu leiden hatten, wurde sturzbetrunken in Krankenhäuser eingeliefert – nach Angaben des Statistischen Landesamtes Bayern gibt es hier ebenfalls seit einigen Jahren einen Aufwärtstrend. 8.617 Patienten mit einer akuten Alkoholvergiftung im Jahr 2000 stehen 22.141 Fälle im Jahr 2011 gegenüber, das prozentuale Wachstum behandlungsbedürftiger Alkoholexzesse betrug damit 157 Prozent. Besonders alarmierend sei, dass die Behandlungszahlen in der Altersgruppe der unter 20-jährigen im Vergleich zur Jahrtausendwende mit rund 210 Prozent besonders deutlich zugenommen haben.

Offene Frage: Warum nehmen Alkoholexzesse so kontinuierlich zu?

Angesichts des bundesweiten Trends, zu trinken, “bis der Arzt kommt”, der sich ausweitenden Diskussion um Alkoholverbote im öffentlichen Raum und der relativ begrenzten Wirksamkeit der diversen Präventionskampagnen stellt sich aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer die Frage, welche individuellen und gesellschaftlichen Faktoren dazu führen, dass der Konsum von Alkohol bei einer wachsenden Anzahl von Menschen zu Exzessen führt. In der Mediendiskussion zum Thema wird immer wieder auf die negativen Seiten unserer “Trinkkultur” verwiesen, in der Alkoholkonsum grundsätzlich gesellschaftsfähig ist.

Aber: Diese “Trinkkultur” hat sich seit dem Beginn der 2000er Jahre nur marginal verändert, die Unterschiede finden sich vor allem in einem gewachsenen Problembewusstsein gegenüber Alkohol. Die aktuellen Debatten um Stresserkrankungen und Burnout legen nahe, dass im Hintergrund auch hier Leistungsdruck, Stress sowie der Verlust von Sinn und Perspektiven eine Rolle spielen – und dass Jugendliche darunter besonders leiden.

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Datum: Mittwoch, 13. Februar 2013 11:25
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