Auch Co-Abhängige brauchen Hilfe

Die Entwicklung eines Verhaltens des Partners oder eines Elternteils, das die Sucht unterstützt, beginnt zunächst kaum wahrnehmbar – so wie die Abhängigkeit selbst. Wie der anfängliche Alkoholgenuss eines Alkoholikers zunehmend in Betrunkenheit endet, kann der Co-Abhängige sich immer häufiger dabei beobachten, wie er anderen Angehörigen oder Freunden gegenüber Erklärungen und Entschuldigungen hierfür abgibt. Ein entscheidender Schritt zur Übernahme der Co-Abhängigen Rolle ist dann getan, wenn “beschlossen” wird, irgendeine der Verantwortlichkeiten des Abhängigen selbst zu übernehmen – auch wenn diese Entscheidung nicht bewusst getroffen wird, sondern wie automatisch, aus dem Empfinden heraus gehandelt wird, jetzt selbst die Verantwortung übernehmen zu müssen.

Obwohl der Co-Abhängige noch nicht realisiert, dass er es mit Sucht zu tun hat, so wird deutlich, dass der Abhängige immer unzuverlässiger wird. Wenn das Zusammenleben weiterhin funktionieren soll, ist es besser, wenn er selbst sich um immer mehr Dinge kümmert und über alle anderen Pflichten hinaus schließlich die meisten familiären Entscheidungen alleine trifft. Die Co-Abhängige Person kümmert sich um die Kinder, das Auto, die Reparaturen im Haushalt, die Kleidung, usw. – sie befreit damit den Alkoholiker von der Last, sich um seine Pflichten in diesen Bereichen zu kümmern. Gleichzeitig erspart sie ihm die Konsequenzen, die seine Unzuverlässigkeit ohne ihre Hilfs- und Rettungsaktionen nach sich zöge. Darüber hinaus bemüht sich der Co-Abhängige dem Abhängigen alle Probleme aus dem Weg zu räumen, die eventuell einen weiteren Konsum provozieren könnten. Tatsächlich wird jedoch durch diese überverantwortliche Haltung eine Situation hergestellt, in welcher es keinerlei Grund für den Abhängigen gibt, seinen Konsum einzustellen. Es werden wichtige Krisen verhindert, die dazu führen könnten, den Abhängigen zu einer Änderung seines Verhaltens zu bewegen.

Co-Abhängige Menschen verbrauchen ihre Kräfte bis zur Erschöpfung, haben nur wenig Zeit für ihre persönlichen Bedürfnisse und sind mit einer Vielfalt von Sorgen und Problemen belastet. Trotz der Anstrengungen und Bemühungen scheinen all die Dinge, die das Leben lebenswert machen, immer weniger zu werden. In Familien von drogenabhängigen Jugendlichen ist besonders das Selbstwertgefühl der Eltern bedroht, da ihnen Versagen in der Erziehung vorgeworfen wird. Dieser Druck betrifft zwar theoretisch beide Elternteile, in der Praxis wird er häufig nur von den Müttern wahrgenommen.

Schließlich erreicht die Co-Abhängige Person die kritische Phase. An einem bestimmten Punkt, meistens nach vielen Jahren des Leidens, müssten die persönlichen Bedürfnisse und Interessen vollständig aufgegeben werden, wenn die Versorgung des Suchtkranken weiterhin gewährleistet werden soll, so wie es erforderlich erscheint. Die Erschöpfung ist inzwischen groß und die Selbstzweifel wachsen. Obwohl der Co-Abhängige die ganze Energie, Zeit und Aufmerksamkeit darauf verwendet hat, die Familie in Ordnung zu halten, ist tatsächlich nichts in Ordnung, und er fragt sich, warum dies so ist.

Quelle: Thomas Kühne

 
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Datum: Samstag, 27. Februar 2016 12:57
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