Anonyme Alkoholiker – Hilfe für Alkoholgefährdete mit langer Tradition

Die Anonymen Alkoholiker (Alcoholics Anonymous, AA) entstanden in den 1930er Jahren in den USA und sind heute eine weltumspannende Bewegung, deren Mitglieder sich in lokalen Selbsthilfegruppen treffen. Das erste AA-Meeting fand am 10. Juni 1935 in Akron/Ohio statt, die Initiatoren waren der New Yorker Börsenmakler und Alkoholiker William Griffith Wilson und der Arzt Robert Holbrook Smith aus Akron. Seit dem Beginn der 1940er Jahre und positiven Medienberichten wuchs die informelle Organisation rapide. Heute gibt es neben den AA-Gruppen auch zahlreiche andere “anonyme Gruppen”, die sich nicht nur den Problemen von Alkoholikern, sondern auch von Drogenabhängigen, psychisch Kranken sowie den Angehörigen der Betroffenen widmen.

Die AA-Basis – Ehrenamtlichkeit, Spiritualität, Individualität

Die AA bilden bis heute ein informelles Netzwerk, dessen Arbeit konsequent auf Ehrenamtlichkeit/Non-Profit-Strukturen, Spiritualität und Anonymität basiert. Letztere bildet eine Grundlage der AA-Gemeinschaft, soll die “Mitglieder” vor dem öffentlichen Bekanntwerden ihrer Alkoholsucht schützen, das Thematisieren sozialer Unterschiede in den Gruppen vermeiden und verhindern, dass sich einzelne Personen über die Organisation beispielsweise in den Medien profilieren und so die “spirituelle Basis” der Gemeinschaft stören. Diese Grundlagen – unter anderem in den “Zwölf Traditionen” zusammengefasst – sowie die Tatsache, dass die AA die Alkoholsucht sehr früh als Krankheit definierten, haben ihren weltweiten Erfolg begründet.

AA-Meetings werden in Deutschland nahezu flächendeckend angeboten, alternativ oder ergänzend gibt es seit einiger Zeit auch Online-Meetings. Angehörige können ihre Probleme in sogenannten “offenen Meetings” diskutieren. Den Kontakt stellen Interessenten direkt über eine lokale Gruppe oder regionale “Intergruppen” her.

Innere Veränderung durch zwölf praktische und spirituelle Schritte

Die Arbeitsbasis der AA besteht in den “Zwölf Schritten” – die Inhalte zielen auf eine umfassende innere Inventur, die Wiedergutmachung von Schädigungen anderer durch die eigene Sucht und vor allem auf Spiritualität und Transzendenz als Grundlage für eine nachhaltige Überwindung der Erkrankung. Thematisiert und in praktisches Verhalten umgesetzt werden darin: Kontrollverlust und Macht des Alkohols, den produktiven und spirituellen Umgang mit der Krankheit und die Rückgewinnung eines positiven persönlichen Beziehungsnetzwerks, am Ende des Programms sollen “moralische Konversion” und Abstinenz verfestigt werden.

Durch ihren spirituellen Fokus werden die AA oft als religiöse Bewegung oder Kult gesehen, verstehen sich selbst aber ausdrücklich als überkonfessionell und nicht an eine bestimmte Auffassung von Gott/Spiritualität gebunden. Identitätsbildend wirken für die Gruppen vor allem sogenannte Meta-Narrative, in erster Linie der Zusammenhang von Alkoholsucht, AA-Erstkontakt und einer durch die Sucht erzeugten tiefen Lebenskrise.

Ob der Besuch einer AA-Gruppe der persönlich optimale individuelle Weg ist, kann nur der Betroffene selbst entscheiden. Vielen Menschen hilft ihr Programm, die gewünschte Abstinenz langfristig zu stabilisieren und durch die Gruppen dafür einen sozialen Rahmen zu besitzen, der die eigenen Erfahrungen teilt. Aus Sicht des Experten-Teams der Gesundheitsakademie Schmidbauer ist ein Ausstieg aus der Alkoholsucht immer mit tiefgreifenden inneren Erkenntnisprozessen und Veränderungen verbunden – in unseren dreiwöchigen Intensiv-Trainings schaffen wir durch therapeutische Gespräche und Gruppen-Aktivitäten die Grundlage dafür. Menschen mit spirituellem Interesse und dem Wunsch nach einer dauerhaften, jedoch informellen Gruppenbindung sind für die langfristige Bearbeitung ihres Suchtproblems nach dem Ende unserer Kurzzeit-Therapie in einer AA-Gruppe auf jeden Fall an einer guten Adresse.

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Datum: Mittwoch, 29. August 2012 10:12
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