Alkoholsucht – zwischen sozialem Stigma, Verharmlosung und Sensationsgier

Die Medien-Reports zum Alkohol-Debakel von Jenny Elvers-Elbertzhagen vor der Kamera und ihren aktuellen Statements zu ihrer – offensichtlich sehr gravierenden und intensiven – Suchterfahrung bedienen sicher vor allem oft die Sensationsgier des Publikums. Allerdings hat die Berichterstattung dazu auch eine andere und positive Seite: Artikel über die Alkoholprobleme Prominenter lenken die öffentliche Aufmerksamkeit in einem Maße auf die Themen Alkoholmissbrauch und Sucht, wie es Meldungen über Präventionskampagnen, Alkoholverbote oder Verkehrstote durch Alkohol wohl niemals schaffen.

In einem Interview sprach Elvers-Elbertzhagen in dieser Woche ausführlich über ihre Suchtkarriere, die unter anderem aus dem Zusammenwirken von Alkoholmissbrauch und Depressionen resultierte. Nach ihrem schwer alkoholisierten NDR-Talkshowauftritt entschieden ihr Ehemann und ihr Manager über ihre Einweisung zur Entziehungskur in einer Klinik, die offenbar zunächst erfolgreich war.

Suchtkrankheiten – in unserer “Trinkkultur” nicht vorgesehen

Vergleichbare Erfahrungen haben derzeit mindestens 1,3 Millionen Deutsche vorzuweisen, die unter einer klinisch manifesten Alkoholsucht leiden. Betroffen ist davon niemals nur der Süchtige allein, sondern sein gesamtes Umfeld. Auch nach einer erfolgreichen Entzugsbehandlung ist das Problem nicht “vom Tisch” – die Suchtgefahr besteht latent ein Leben lang, durch unsere “Trinkkultur” wird sie in allen Phasen der Erkrankung unterstützt.

Die Gründe für die Entstehung einer Alkoholsucht sind bei den Betroffenen sehr unterschiedlich. Zum Auslöser der Suchtkarriere können Stress und persönliche Probleme, familiäre Einflüsse, ein suchtförderndes Umfeld, psychische Leiden oder auch genetische Faktoren werden. Die Alkoholsucht wird von den Trinkenden und ihrem Umfeld oft lange nicht erkannt oder komplett verdrängt, professionelle Hilfe holen sich die meisten erst, wenn gravierende soziale Folgen drohen.

Aus der Umwelt kommen meist widersprüchliche Signale: Alkoholsucht gilt auch heute als Tabu – wer sich als alkoholkrank outet, muss mit dem entsprechenden sozialen Stigma rechnen. Gleichzeitig finden es viele “seltsam”, wenn sich jemand – mit und ohne Suchterfahrung – für Abstinenz entscheidet und das gemeinschaftsfördernde “soziale Glas” verweigert. Der Wunsch nach Sensationen, der derzeit Jenny Elvers-Elbertzhagen trifft, ist auch in weniger prominentem Umfeld bei solchen Gelegenheiten oft gegeben.

Tabus verhindern frühzeitige Intervention und Prävention

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer ist es überfällig, dass wir unsere Haltung gegenüber Alkohol, Sucht und Abstinenz grundlegend verändern. Tabuisierung und soziale Stigmen verhindern das frühzeitige Unterbrechen der Suchtentstehung, die soziale Verharmlosung der Alkohol-Gefahren verunsichert Betroffene und limitiert die Möglichkeiten für eine nachhaltige Prävention. Bei bereits vorhandenen latenten oder offenen Alkoholproblemen raten wir zu schnellem und konsequentem Gegensteuern – in unseren Intensivtrainings für ein alkoholfreies Leben finden Sie dafür einen geschützten und auf Wunsch auch nach außen neutral-anonymen Raum.

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Datum: Freitag, 1. Februar 2013 11:42
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