Alkoholsucht von Partnern oder Freunden – wie darüber sprechen?

Im Rahmen der Kampagne “Alkohol? Weniger ist besser!” – einer bundesweiten Aktionswoche gegen Alkoholmissbrauch, die noch bis zum Ende dieser Woche läuft – meldete sich der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Raphael Gaßmann, mit einem brisanten Problem zu Wort. Dass sich langfristiger Alkoholmissbrauch auf lange Sicht zur Sucht entwickeln kann, steht außer Frage. Die öffentliche Diskussion und entsprechende Präventionsmaßnahmen zielen meist auf den individuellen Alkoholkonsum, das soziale Umfeld von suchtgefährdeten Menschen bleibt dabei außen vor.

Für Angehörige, Freunde und Kollegen stellt sich jedoch oft die Frage, wie sie reagieren sollen, wenn ihnen auffällt, dass jemand mit seinem Trinkverhalten eine kritische Grenze überschreitet. Die Betroffenen darauf anzusprechen, fällt vielen Menschen schwer.

Sachliches Gespräch – jedoch ohne Kompromisse

Raphael Gaßmann plädierte jetzt für einen offenen Umgang mit dieser Problematik. Er riet zu einem sachlichen Gespräch, ohne Vorwürfe, unaggressiv und möglichst ohne Zeugen. Der Mensch, um den es geht, sollte zu diesem Zeitpunkt allerdings möglichst nüchtern sein – mit Betrunkenen könne man nicht diskutieren. Besorgten Angehörigen und allen anderen, die sich zu einem solchen Gespräch entschlossen haben, gab er den Rat, sich die Argumente ihres Gegenübers zwar anzuhören, jedoch darauf zu beharren, dass der riskante Alkoholkonsum oder bereits manifeste Suchtsymptome nicht wegzudiskutieren sind. Gaßmann empfiehlt beispielsweise, den Betroffenen zu bitten, an einem Wochenende nicht zu trinken. Die Antwort von bereits Süchtigen laute dann oft, dass sie jederzeit damit aufhören könnten, Alkohol zu konsumieren – sie wollten jedoch nicht.

Innerfamiliäre Therapieversuche enden oft in “sozialen Katastrophen”

Der DHS-Experte riet allerdings ausdrücklich davon ab, zu versuchen, eine Alkoholsucht ohne professionelle Hilfe zu bekämpfen, da entsprechende Versuche im familiären Umfeld meist in einer “sozialen Katastrophe” enden. Durch über 1.000 Suchtberatungsstellen sowie einige hundert Suchtkliniken existiere in Deutschland ein sehr gut ausgebautes Netz für Hilfsangebote und professionelle Therapien, deren Kosten von den Krankenkassen in voller Höhe übernommen werden.

Gleichzeitig verwies Gaßmann auf die gesellschaftliche Relevanz von Alkoholmissbrauch und Sucht: Deutschland gehöre zu den 20 Ländern mit dem weltweit höchsten Alkoholkonsum. Mehr als 90 Prozent der Erwachsenen trinken mehr oder weniger regelmäßig Alkohol, rund 80.000 von ihnen bezahlen ihren Alkoholmissbrauch jährlich durch diverse Folgeerkrankungen mit dem Leben. Bei rund einem Drittel der Verkehrsunfälle mit Todesfolge ist Alkohol im Spiel, ebenso bei bis zu zwei Dritteln schwerer Straftaten wie Mord, Raub oder Vergewaltigung.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer berührt der DHS-Chef damit ein brisantes Thema, das zu den zentralen Tabus rund um die Sucht gehört. Viele betroffene Familien reagieren mit Schweigen nach innen und nach außen und geraten damit auch als Ganzes in die Suchtspirale. Allerdings meinen wir, dass individuelle Therapien zumindest im Vorfeld einer klinisch manifesten Alkoholkrankheit oft erfolgversprechender sind als ein Klinikaufenthalt mit seinem weit weniger auf die einzelne Person zentrierten Therapieprogramm. In unseren Intensivtrainings zur Prävention und Therapie von Alkoholproblemen bieten wir Ihnen einen geschützten Raum, in dem wir uns nicht nur auf die “Alkoholentwöhnung”, sondern auch den individuellen Ursachen für Ihre Suchtgefährdung widmen.

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Datum: Freitag, 7. Juni 2013 11:12
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