Alkoholsucht – soziales Tabu und späte Reaktionen

Mit dem Fernsehauftritt von Jenny Elvers-Elbertzhagen in angetrunkenem Zustand hat nun auch Deutschland einen öffentlichen und offensichtlich medienwirksamen Alkohol-Eklat. Interessant ist, dass in den entsprechenden Berichten nicht nur die persönliche Story der mehr oder weniger bekannten Entertainerin diskutiert wird, sondern Presse und TV sich vor diesem Hintergrund den Themen Alkoholmissbrauch und Sucht als allgemeine Fragen widmen. Die “soziale Häme” findet diesmal eher auf Facebook statt, wo sich die User über die skurril-peinliche Performance von Elvers-Elbertzhagen echauffieren – angesichts der tatsächlichen Bedeutung von Alkohol in unserem Alltag vermutlich oft auch als Verdrängungsmechanismus eigener Probleme.

Fakt ist, dass mindestens 14 Prozent aller 18- bis 59-jährigen alkoholische Getränke in riskanten Mengen konsumieren. Der Übergang zwischen riskanten Trinkverhalten und Sucht ist dabei fließend. Das Resultat besteht langfristig meist in gesundheitlichen und sozialen Schwierigkeiten. Auf die soziale Dimension der Problematik verweist jetzt der “Fall Elvers-Elbertzhagen” in zwei verschiedenen Dimensionen – Alkoholmissbrauch wird meist erst dann zum Thema, wenn seine Folgen nicht mehr zu verleugnen sind, im Vorfeld greift dagegen unser “soziales Dogma” von akzeptiertem/kulturell sanktioniertem Trinken.

Alkoholsucht – meist erst bei sozialen Problemen ein Thema

In welchem Maß der Alkohol zum Lebensinhalt wird, erkennen auch die Betroffenen oft nur sehr spät. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), Heribert Fleischmann, sagte jetzt, dass hierfür in der Regel “ein drastischer Reiz von außen” nötig sei. Die gesundheitlichen Folgen des übermäßigen Trinkens – sinkende Leistungsfähigkeit, schlechte Leberwerte, allgemeine gesundheitliche Probleme – werden lange ignoriert, Handlungsbedarf ergibt sich meist erst bei drastischeren Warnungen aus dem sozialen Umfeld. Die Einsicht, an einer behandlungsrelevanten Sucht zu leiden, stelle sich in vielen Fällen jedoch erst im Verlauf eines therapeutischen Gesprächs heraus. Aus Sicht von Fleischmann ist dafür eine behutsame und genaue Analyse der tatsächlichen Trinkgewohnheiten und des Einflusses des Alkoholkonsums auf das soziale Leben nötig.

Diagnose “Alkoholsucht” – bereits bei Vorliegen von drei Sucht-Kriterien gegeben

Auch objektiv gesehen ist die exakte Diagnose einer Alkoholsucht nicht ganz einfach. Die WHO hat in ihren international gültigen Krankheits-Klassifikationen dafür eine Reihe von Kriterien definiert, dazu gehören

  • Ein starker Wunsch oder ein Zwang zum Alkoholkonsum
  • Toleranzentwicklung
  • Verminderte Kontrollfähigkeit
  • Die zunehmende Vernachlässigung von Familie, Freunden sowie Freizeitaktivitäten
  • Entzugssymptome
  • Fortgesetztes Trinken trotz gesundheitlicher Konsequenzen

Bei Vorliegen von mindestens drei dieser “Symptome” ist die Diagnose einer Alkoholsucht angemessen.

Das Experten-Team der Gesundheitsakademie Schmidbauer meint: Sie kennen sich, Ihren Alltag, seine Belastungen und Ihre persönlichen Kompensationsmechanismen am besten. Wenn Sie bereits spüren, dass Alkohol in Ihrem Alltag eine große Rolle spielt, ist Handeln angesagt. In unseren Intensiv-Trainings zur Kurzzeit-Therapie oder Prävention von Alkoholproblemen arbeiten wir zusammen mit Ihnen an Ihrer persönlichen Anti-Alkohol-Strategie und für Ihre Rückkehr in ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben. Auf Ihren Wunsch sorgen wir dabei mit einer neutralen Erreichbarkeits-Adresse auch für einen “sozialen Schutzschild”.

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Datum: Freitag, 21. September 2012 11:40
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