Alkoholmissbrauch unter Studenten

In den USA ist das Problem seit Längerem bekannt: Studenten dort greifen verstärkt zur Flasche. Doch der Trend hat längst auch Deutschland erreicht. Hierzulande hat bereits jeder dritte Student ein Alkoholproblem. Ursachen sind vor allem gestiegener Leistungsdruck und überzogene Ansprüche.

Jeder dritte Studierende in Deutschland hat ein Alkoholproblem. Männer sind dabei deutlich häufiger betroffen als Frauen. 44 Prozent der männlichen und 19Prozent der weiblichen Studenten konsumieren regelmäßig Alkohol in einer schädlichen Höhe und vernachlässigen darüber ihre Arbeit. Das Bild des trinkfesten Studenten, der statt in die Lehrbücher in den Bierkrug schaut, ist ein jahrhundertealtes, fast folkloristisch gepflegtes Klischee.

Doch die Entwicklung hat sich zuletzt verschärft. Europa ist heute der Kontinent mit dem höchsten Pro-Kopf-Konsum von Alkohol in der Welt. Das hat im vorigen Jahr eine EU-Umfrage ergeben. Noch Mitte der 50er-Jahre war der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland erheblich niedriger als heute. Weil Konsummengen und -gewohnheiten bei Studenten jedoch eng damit zusammenhängen, wie und wie viel in einer Gesellschaft überhaupt getrunken werde, ist die aktuelle Entwicklung wirklich “alarmierend”.

Schuld sind bekannte Faktoren: Alkohol ist billig und in Lebensmittelgeschäften und an Tankstellen nahezu überall verfügbar. Die Werbung sorgt dafür, dass Alkohol mit positiven Erwartungen verbunden ist. Moralisch ist Alkohol generell akzeptiert. Weitere Ursachen sind mehr Stress und gestiegene Anforderungen an die Studenten.

Studenten haben heute weniger Freiraum für ihre Persönlichkeitsentwicklung. Wer beispielsweise den Bachelor-Studiengang nicht mit der Bestnote abschließe, wird zum Master gar nicht erst zugelassen. Hinzu kommt ein gestiegener Flexibilitäts- und Mobilitätsdruck. Besonders der Typus kontaktarmer Student, der verbissen vor sich hinlernt, ist gefährdet. Schuld können aber auch überzogene Ansprüche von Eltern- oder Professorenseite oder gegen sich selbst sein. Nicht selten wirkt sich eine falsche Lerntechnik, etwa passives Auswendiglernen, negativ aus.

Dozenten sollten stärker auf ihre Studierenden achten und sie gegebenenfalls zu einer studentischen Beratungsstelle schicken. Zur Prävention wären mehr Seminare zu Arbeitstechniken, Hausaufgabenschreiben und Prüfungsangst nötig. Eine weitere Erkenntnis: Eine feste Partnerschaft und Arbeit – sie halten die Studierenden ab, vom Rauschtrinken und Depressionen.

Wer eine gewisse Zeit bewusst auf Alkohol verzichtet, kann einiges über sich erfahren und so dabei auch überraschende Erkenntnisse über die eigenen Gewohnheiten erlangen. Alkohol dient als Ventil gegen Leistungsdruck, Übermüdung und Versagensängste. Studenten vernachlässigten nach Trinkgelagen oft ihre Arbeit oder das Lernen in der Uni. Zum Teil gehen sie betrunken oder verkatert zur Arbeit oder in die Vorlesungen. Es muss also in Zukunft dafür gesorgt werden, dass es nicht an Programmen für Alkoholabhängige an den Unis mangelt.

Haben Sie noch weitere Fragen zu diesem Thema? Wenden Sie sich an die Gesundheitsakademie Schmidbauer.

Quelle: Die Welt

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Datum: Samstag, 2. Januar 2016 12:50
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