Alkoholkranke Arbeitnehmer – Stress-Trinken und hohe Ausfallzeiten

Am vergangenen Dienstag präsentierte die Barmer Gesundheitskasse in Berlin ihren aktuellen Gesundheitsreport 2012 – in dem Bericht spielten unter anderem die wirtschaftlichen Folgen des Alkoholmissbrauchs von Arbeitnehmern eine zentrale Rolle.

Insgesamt bescheinigt die Studie, die im Auftrag der Krankenkasse durch das ISEG-Gesundheitsinstitut aus Hannover erhoben wurde, jedem sechsten Deutschen einen riskanten Alkoholkonsum. Pro Kopf konsumieren wir pro Jahr derzeit rund 100 Flaschen Wein oder 16 Paletten Dosenbier. Das Problem für Arbeitgeber: Alkoholgefährdete und alkoholkranke Mitarbeiter fehlen rund 40 Tage länger als ihre Kollegen ohne Sucht-Problem. In die Erhebung sind die Daten von 3.500 Versicherten aus allen Bundesländern eingeflossen.

Oft Stellvertreter-Diagnosen statt der ärztlichen Bescheinigung von Alkoholproblemen

Der medizinische Diagnoseschlüssel für eine alkoholbedingte Krankheit heißt “F10″ – allerdings ist dieser Code auch eine klare Botschaft an den Arbeitgeber und kann im Extremfall unabhängig von dem arbeitsrelevanten Grad der Sucht zu Problemen mit dem Vorgesetzten führen. Statt Fehltagen wegen expliziter Alkoholprobleme oder typischen Folgekrankheiten des Alkoholmissbrauchs wie Leber- oder Bauchspeicheldrüsen-Schäden weisen Ärzte auf dem Krankenschein daher oft Stellvertreter-Diagnosen aus.

Alkoholprobleme sind insgesamt nur für 9,4 Fehltage die explizite Diagnose – stattdessen werden oft psychische Erkrankungen/Depressionen als Ausfallgrund benannt, die im Durchschnitt der Versicherten mit 7,6 Tagen zu Buche schlagen. Ebenfalls als gesichert gilt, dass alkoholgefährdete Mitarbeiter um 50 Prozent häufiger wegen Magen-Darm-Problemen krankgeschrieben werden als andere Angestellte.

Besondere Gefahr für Männer im mittleren Lebensalter

Besonders alkoholgefährdetet sind laut den Studienergebnissen der Krankenkasse Menschen im Alter von 45 bis 54 Jahren, die gleichzeitig wegen “F10″ am längsten – pro Fall rund 50 Tage – krankgeschrieben werden. Männer leiden dabei im Vergleich zu Frauen doppelt so häufig unter klinisch relevanten Alkoholproblemen. Gleichzeitig seien sie deutlich weniger dazu bereit, professionelle Hilfe anzunehmen.

Petra Gansert-Dahms, eine Sprecherin der Barmer Gesundheitskasse, kommentierte, dass Männer gerade im mittleren Lebensalter unter enormem Leistungs- und Konkurrenzdruck stünden, sich oft fast ausschließlich über die Arbeit definieren und gleichzeitig befürchten, mit jüngeren Kollegen nicht mehr Schritt zu halten. Als Folge sichten viele von ihnen Trost im Alkohol. Suchtfördernd wirken außerdem die Angst vor Arbeitsplatzverlust sowie prekäre Beschäftigungsverhältnisse – beispielsweise wies die Studie für die Angestellten von Leiharbeitsfirmen eine besonders hohe Rate an Suchterkrankungen aus.

Frühzeitige Intervention gegen gesundheitliche und wirtschaftliche Schäden

Petra Gansert-Dahms sieht in diesem Kontext auch die Unternehmen in der Pflicht. Vorgesetzte würden das Problem oft nicht erkennen oder sich ausschließlich für das Funktionieren ihrer Angestellten interessieren, auch die Kollegen würden Alkoholprobleme meist lange ignorieren. Nötig seien jedoch das offene Gespräch über die Probleme und frühzeitige Interventionen bei den ersten offenen Anzeichen einer Alkoholgefährdung. Schweigen verschlimmere langfristig nur die Situation – und vergrößere damit auch den wirtschaftlichen Schaden für die Firmen.

Auch die Sucht-Experten der Gesundheitsakademie Schmidbauer raten, einen sich verstärkenden Alkoholkonsum ernst zu nehmen und sich dem eigenen Gesundheits- und Suchtproblem zu stellen. In unseren Intensivtrainings erlernen Sie positive Alternativen zur Problem- und Stress-Kompensation durch Alkohol und schaffen so die Basis für ein unabhängiges Leben ohne Suchtgefährdung.

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Datum: Mittwoch, 5. September 2012 11:56
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