Alkoholikerinnen – Einstieg in die Sucht entweder ganz jung oder in mittleren Jahren

Das Thema “Alkohol und Frauen” galt in unserer Gesellschaft lange als Tabu und spielte beispielsweise in den Medien vor allem als Filmvorlage oder als biografischer Bericht in den “Lebens”-Ressorts von Zeitungen und Magazinen einen Rolle. Der Drogenbericht der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) für das Jahr 2010 hat diese Sicht auf weiblichen Alkoholmissbrauch tendenziell verändert. Der Report belegt, dass rund ein Drittel der alkoholabhängigen Personen in Deutschland weiblich ist. Experten gehen davon aus, dass hinter der absoluten Zahl von 370.000 Alkoholikerinnen außerdem eine große Dunkelziffer steht. Die Wissenschaftlerin Irmgard Voigt, Professorin für Sozialarbeit an der Fachhochschule Frankfurt, kommt zu noch dramatischeren Zahlen – ihrer Schätzung nach gibt es in Deutschland 750.000 bis 800.000 klinisch relevante Alkoholikerinnen, ebenfalls exklusive einer vermutlich hohen Dunkelziffer akut suchtgefährdeter oder bereits abhängiger Frauen.

Bei den Ursachen für die Alkoholsucht bei Frauen ergeben sich aus Sicht der Wissenschaftler ganz unterschiedliche Problemlagen und betroffene soziale Gruppen. Irmgard Voigt nennt anhand ihrer Forschungen zu den Biografien alkoholabhängiger und -gefährdeter Frauen zwei typische Einstiegs-Szenarien für Frauen.

Alkoholkonsum von jungen Frauen – familiäre Hintergründe oder Emanzipations-Symbol

In der ersten Gruppe beginnt die Alkohol-Karriere in sehr jungen Jahren – die Grundlagen für die Alkoholabhängigkeit der jungen Frauen werden meist schon im Alter von 15 oder 16 Jahren geschaffen. Als Auslöser benennt Voigt zwei grundsätzliche Punkte: Zum einen spielt hier das familiäre Vorbild eine wesentliche Rolle – viele dieser Frauen stammen aus Familien mit problematischem Trinkverhalten, viele haben als Kind psychische oder physische Misshandlungen oder sexuellen Missbrauch durchgemacht. Andererseits wollen die die jungen Frauen durch ihren Alkoholkonsum oft ihre Emanzipation beweisen – aktuelle Studien legen beispielsweise nahe, dass es beim Trinkverhalten und auch beim Alkoholmissbrauch männlicher und weiblicher Jugendlicher kaum noch Unterschiede gibt. Trotzdem ergeben sich die frühen Trinkanlässen bei den Mädchen immer noch durch “Verführung” durch das andere Geschlecht.

Jenseits der 40 – Krisen oder Überlastung als Sucht-Auslöser

In der zweiten Gruppe finden sich vor allem Frauen im Alter von 40 bis 50 Jahren, die Alkohol bisher nur in Maßen konsumierten, aber nach Familienphase und beruflicher Karriere in diesem Lebensalter “plötzlich” verstärkt zur Flasche greifen. Professorin Voigt schließt nicht aus, dass der Alkoholmissbrauch hier in einem Zusammenhang zur Menopause steht. Auch berufliche und private Krisen spielen in dieser Lebensphase oft eine suchtauslösende Rolle. Damit korrespondieren die Ergebnisse einer vom Gesundheitsministerium initiierten Studie, nach denen Frauen mit Alkoholproblemen im mittleren Lebensalter oft über einen Hochschulabschluss, die entsprechenden Jobs und ein gutes bis sehr gutes eigenes Einkommen verfügen.

Neben individuellen lebensgeschichtlichen und psychischen Dispositionen kommt im Kontext der zweiten und beruflich erfolgreichen Gruppe von Frauen mit Alkoholproblemen vermutlich auch eine Verbindungslinie zur Burnout-Problematik zum Tragen: Viele Frauen versuchen die dauerhafte Überlastung durch die Anforderungen von Familie und Beruf durch den regelmäßigen Konsum von Alkohol zu kompensieren und gelangen damit früher oder später an die Grenzen einer expliziten Alkoholsucht. Eine frühzeitige Intervention wirkt sich hier positiv für die Rückkehr in ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben in zwei Bereichen aus. In den Intensivtrainings der Gesundheitsakademie Schmidbauer arbeiten unsere Experten gemeinsam mit Ihnen sowohl an einer Lösung für ein eventuell bestehendes Alkoholproblem als auch am Weg aus der “Erschöpfungs-Falle”.

Be Sociable, Share!

Autor:
Datum: Mittwoch, 15. August 2012 13:25
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Alkoholsucht

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben