“Alkoholfreie Biere” – Restalkohol provoziert Kritik

Alkoholfreie Biere liegen im Trend – bei Autofahrern und alle anderen, die auf ein “kühles Blondes” nicht verzichten, dabei jedoch keinen Alkohol konsumieren wollen. Verbraucherschutzorganisationen wie Foodwatch kritisierten jetzt allerdings die Praxis der Brauereien, ihre Produkte pauschal als “alkoholfrei” zu deklarieren, anstatt auf die Restalkoholmengen in Clausthaler & Co. hinzuweisen.

Foodwatch-Sprecher Martin Rückert sprach jetzt in einem Presse-Statement an, dass eine derartige Etikettierung die Verbraucher in die Irre führt. Käufer von alkoholfreien Bieren wünschen sich in der Regel komplette Abstinenz. Eine Studie der Warsteiner Brauerei aus dem Jahre 2007 zeigt, dass 80 Prozent von ihnen das Vorhandensein von Restalkohol dabei als Täuschung werten.

Deutsches Recht unterstützt irreführende Werbung

Die Gesetzgebung in Deutschland kommt dem Wunsch nach exakter Deklarierung des Alkoholgehalts bei “alkoholfreien” Bieren bisher nicht entgegen. Bis zu 0,5 Prozent Restalkohol werden rechtlich toleriert. In der Praxis finden sich Restalkoholwerte zwischen 0,3 Prozent (Krombacher), 0,4 Prozent (Erdinger) oder 0,45 Prozent (Clausthaler/Radeberger). Foodwatch kritisiert derzeit vor allem die Radeberger Gruppe, die in Deutschland die Marktführerschaft bei alkoholfreien Bieren innehat. Die Verbraucherschützer stören sich unter anderem daran, dass das Unternehmen sein Clausthaler in Großbritannien als “Low Alcohol Lager Beer” vermarktet, da die Deklaration eines alkoholarmen Biers als “alkoholfrei” den dortigen Gesetzen widerspricht.

Der Deutsche Brauer-Bund reagierte auf die Kritik allerdings eher ungehalten und argumentierte, dass die Verbraucher sich darüber im Klaren seien, dass auch “alkoholfreie” Biere geringe Mengen Alkohol enthalten, die als “Wirkstoff” in der Praxis jedoch keine Rolle spielen. Die Restmengen an Alkohol seien auch bei diesen Bieren als Geschmacksträger unverzichtbar und werden daher während des Produktionsprozesses im Bier belassen oder ihm nachträglich hinzugefügt.

Verharmlosung von Alkohol-Gefahren – ein gesellschaftliches Problem

Indirekte Unterstützung erhielt Foodwatch dagegen aus dem Bundesfamilienministerium – Familienministerin Kristina Schröder (CDU) plädiert in einer Online-Kampagne ihres Hauses unter dem Titel “Schwanger? Promillegrenze 0,0 Prozent” zumindest während der Schwangerschaft für absoluten Alkoholverzicht. Relative Akzeptanz respektive eine “zwiespältige” Sicht auf den Genuss von alkoholfreiem Bier durch Schwangere kam hier sogar vom Brauer-Bund, zumindest wolle man sich nicht dafür verbürgen, dass der Konsum der Biere hier tatsächlich ungefährlich sei. Ein Warnhinweis auf den Etiketten ist aus der Sicht der Brauer allerdings auch in diesem Zusammenhang nicht nötig.

Gabriele Bartsch von der Deutschen Hauptstelle für Suchtgefahren würde sich diesen Warnhinweis dagegen dringend wünschen, sein Fehlen ist für sie ein weiterer Ausdruck dafür, dass Alkohol und seine Risiken in unserer Gesellschaft generell verharmlost werden.

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Datum: Montag, 28. Mai 2012 11:01
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