Alkoholentwöhnung – bei Männern anders als bei Frauen?

Erst vor kurzem warnte die die BZgA anlässlich des Weltmännertags am 19. November, dass Männer deutlich stärker alkoholgefährdet sind als Frauen. Vor allem im jungen Erwachsenenalter bis zu 25 Jahren ist riskanter Alkoholkonsum bei Männern deutlich stärker ausgeprägt. Statistisch gesehen erfüllen in Deutschland rund 3,4 Prozent aller Männer zwischen 18 und 64 Jahren die Kriterien einer klinisch manifesten Alkoholsucht. BZgA-Chefin Elisabeth Pott sah in ihrer Stellungnahme zu diesen Zahlen eine direkte Verbindung zwischen männlichen Verhaltensmustern in Bezug auf Alkohol und gesellschaftliche Rollenerwartungen an einen “gestandenen Mann”, in denen Bier, Wein und Schnaps eine bestätigende Funktion erfüllen.

Eine Studie des Massachusetts General Hospital belegt jetzt, dass Frauen und Männer von unterschiedlichen Faktoren profitieren, um von ihrer Alkoholsucht loszukommen. Die Autoren Bettina B. Hoeppner und John F. Kelly analysierten dafür die Daten von über 1.700 Menschen, die wegen früheren oder aktuellen Alkoholproblemen die Meetings der Anonymen Alkoholiker besuchten, 24 Prozent von ihnen waren Frauen.

Trinkanlässe und Rückfall-Risiken: Alltagssituationen und negative Emotionen

Männern hilft es demnach am meisten, Distanzen aufzubauen – zu gesellschaftlichen Situationen, in denen der Konsum von Alkohol zum “guten Ton” gehört und zu Personen, mit denen sie bisher gern getrunken haben. Wenn sie sich dazu überwinden können, haben sie gute Chancen, auch eine Distanz zu ihrer Sucht zu schaffen. Bei Frauen spielt dagegen die Entwicklung von Selbstvertrauen eine deutlich größere Rolle – sie brauchen vor allem “Sicherheiten”, dass sie ohne den Griff zur Flasche auch durch Tage kommen, an denen sie sich deprimiert, traurig, ängstlich oder machtlos fühlen.

John F. Kelly fasste die Studienergebnisse so zusammen, dass Frauen vor allem Strategien benötigen, die ihnen helfen, negative Emotionen besser auszuhalten. Männer, die ihre akute Alkoholkrankheit überwunden haben, profitieren dagegen am meisten davon, zu lernen, auch Alltagssituationen mit einem hohen Rückfall-Risiko auszuhalten. Die Ergebnisse könnten dabei helfen, geschlechtsspezifische Therapieprogramme zu entwickeln und bestehende Konzepte zu verbessern. Den Anonymen Alkoholikern bescheinigte der Wissenschaftler, dass ihr Programm beiden Geschlechtern gleichermaßen hilft.

Geschlechterrollen kommen in der subjektiven Bewertung der Trinkanlässe zum Tragen

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer stellt sich hier die Frage, ob die Studie aus Massachusetts nicht in einem Punkt zu kurz greift: Auch bei Männern spielen bei der Entwicklung ihrer Sucht nicht nur Rollenbilder, sondern auch die Bewältigung überfordernder oder frustrierender Alltagssituationen eine Rolle, Frauen trinken in einem gesellschaftlichen Klima, in dem Alkohol zum sozialen Ritual gehört. Verschiedene Geschlechterrollen spielen allerdings in der subjektiven Bewertung der Trinkanlässe eine wesentliche Rolle.

In unseren Intensivtrainings zur Überwindung von Alkoholproblemen gehen wir – bei Männern und bei Frauen – auf alltägliche Trinkanlässe und die individuelle Motivation, zu trinken ein. Unseren Klienten bieten wir dabei einen umfassend “geschützten Raum”, in dem auch sensible persönliche Themen zur Sprache kommen können.

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Datum: Montag, 10. Dezember 2012 11:01
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