Alkoholabhängigkeit von Frauen – bis heute ein Tabu?

Alkoholprobleme von Frauen werden in den Medien und als expliziter Forschungsgegenstand bisher selten thematisiert. Eines unserer immanenten Vorurteile lautet “Alkoholabhängigkeit ist männlich”. Professor Karl Mann, einer der Vorstände der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung, konstatierte jetzt, dass aus dieser Sicht eine ganze Reihe von Problemen folgt. Demnach entwickelt sich die Alkoholsucht bei Frauen rasanter als bei Männern und zeitigt schwerere gesundheitliche Folgen. Außerdem sind sie “schwerer therapierbar”, da sie sich – nicht zuletzt aus Scham – deutlich später Hilfe suchen.

In Deutschland sind inzwischen rund ein Drittel der Alkoholabhängigen Frauen – der Drogenbericht der Bundesregierung weist für das Jahr 2010 etwa 370.000 Fälle aus. Nach Meinung von Experten gibt es hier jedoch eine hohe Dunkelziffer, da Frauen ihre Sucht oft lange gut verbergen und die Anforderungen von Job, Haushalt und Familie trotzdem schaffen.

Traditionelle Frauenbilder und Perfektionismus – Antriebsfaktoren für die Sucht

Der männliche Einstieg in die Alkoholsucht ist oft mit alltäglicher “Geselligkeit” verbunden. Frauen nutzen die Wirkung des Alkohols dagegen oft gezielt zur Bewältigung ihrer Lebenssituation und/oder psychischer Probleme. Grundlage der Sucht sind in vielen Fällen traumatische Erlebnisse in der Kindheit, aber auch ein Hang zum Perfektionismus in den alltäglichen Dingen. Das traditionelle Frauenbild – auch heute noch zumindest unterschwellig wirksam – wird vor diesem Hintergrund zu einem Antriebsfaktor für die Sucht.

Alkoholabhängigkeit bei Frauen – rasanterer Verlauf

Professor Mann beschrieb in diesem Kontext den Verlauf der typischen “Trinker-Karriere”. Der Einstieg in die Alkoholsucht erfolgt demnach meist im Alter von 15 oder 16 Jahren, spätestens mit Mitte 20 ist dann der regelmäßige – und riskante – Alkoholkonsum manifest. Etwa 15 Jahre später zeigen sich die ersten nachweisbaren gesundheitlichen Folgen: Nachlassende Konzentration, erhöhte Leberwerte und ein auffälliges Hautbild. Die Grenze zur expliziten Sucht wird in der Regel im Alter von 30 bis 40 Jahren überschritten.

Nach aktuellen Studien verläuft dieser Prozess bei Frauen um durchschnittlich vier bis fünf Jahre schneller als bei Männern. Verantwortlich dafür sind laut Professor Mann nicht primär diverse Stoffwechselunterschiede zwischen den Geschlechtern, sondern der im weiblichen Körper höhere Anteil an Fettgewebe. Durch das “geringere Verteilungsvolumen” sowie die Wirkungsweise der Fettzellen als Alkohol-Depot erreichen Frauen bei gleicher Trinkmenge und -Geschwindigkeit eine höhere Blutalkoholkonzentration als Männer – mit entsprechend gravierenden Folgen für den Organismus.

Das Experten-Team der Gesundheitsakademie Schmidbauer kennt selbstverständlich auch die Unterschiede zwischen “männlicher” und “weiblicher” Suchtentstehung. Die Grundlage einer erfolgreichen Behandlung der Alkoholabhängigkeit sind aus unserer Sicht immer eine tiefgreifende Verhaltensänderung, Ihre innere Motivation für einen “neuen Weg” sowie die Aufarbeitung lebensgeschichtlicher Hintergründe. In einer ausführlichen Beratung klären wir vorab den Schwerpunkt Ihrer persönlichen Problematik und entwickeln zusammen mit Ihnen ein maßgeschneidertes Therapie-Konzept.

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Datum: Montag, 30. Juli 2012 11:36
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