Alkoholabhängigkeit verkürzt das Leben drastisch

Ein Forscher-Team der Uni Greifswald hat sich mit den Auswirkungen übermäßigen Alkoholkonsums auf die Lebensdauer beschäftigt. Das Fazit ist erschreckend: Alkoholsüchtige sterben rund 20 Jahre früher als Menschen mit nicht riskantem Alkoholkonsum. Bei Frauen ist diese Wirkung alkoholischer Getränke deutlich stärker ausgeprägt.

Für die Studie haben die Wissenschaftler 4.070 Personen aus der Region Lübeck über insgesamt 14 Jahre begleitet und zu ihrem Suchtverhalten interviewt. 149 der Probanden wurden als alkoholabhängig bewertet – in dieser Gruppe starben Frauen im Durchschnitt mit 60 und Männer mit 58 Jahren. Menschen ohne Alkoholprobleme starben dagegen im Schnitt von 82 respektive 77 Jahren. Auf die deutsche Wohnbevölkerung umgelegt ergibt sich aus diesen Daten eine sehr hohe Anzahl vermeidbarer vorzeitiger Todesfälle. Sucht-Forscher gehen davon aus, dass derzeit 1,3 Millionen Menschen explizit alkoholabhängig sind, weitere 9,5 Millionen zeigen ein riskantes Trinkverhalten. Insgesamt geht jeder fünfte Todesfall in Deutschland auf den Konsum von Alkohol und Nikotin zurück.

Alkoholikerinnen sterben fünfmal früher als gesunde Frauen

Studienleiter Ulrich John betonte jetzt – im Einklang mit den medizinisch relevanten Richtwerten für einen nichtriskanten Alkoholkonsum – dass niemand mehr als ein Glas Bier pro Tag zu sich nehmen sollte. Bei Frauen handele es sich dabei zudem um ein Viertelliter-Glas, für Männer sei ein halber Liter akzeptabel. Diese Mengen entsprechen etwa zwölf Gramm reinem Alkohol für Frauen/24 Gramm für Männer. Jedes zusätzlich konsumierte Glas sei gesundheitsschädlich, da jedes Organ anders reagiere, könnten außerdem auch kleine Mengen Alkohol gefährlich sein.

Auch die Forscher waren überrascht, wie stark Frauen unter den Folgen einer Alkoholsucht leiden – im Vergleich zu gesunden Frauen liegt ihre Sterblichkeit rund fünfmal höher. Warum Alkohol die Gesundheit von Frauen besonders stark gefährdet, ist laut Ulrich John bisher ” nur ansatzweise” geklärt. Fest stehe jedoch, dass Frauen von ihrer körperlichen Konstitution her anfälliger für alkoholbedingte Schäden sind, die zudem früher als bei Männern zutage treten.

Komplexe Therapie-Ansätze schützen vor Rückfall

Der Psychiater Ingo Schäfer von der Suchtambulanz der Uni-Klinik Hamburg Eppendorf sieht Gründe für die Suchtentwicklung – nicht nur, aber verstärkt bei Frauen – unter anderem in biografischen Aspekten, “versteckten Problemen” und Zweiterkrankungen psychischer Natur. Aus seiner Sicht liegen der Sucht oft sexueller Missbrauch oder die Erfahrung körperlicher Gewalt zugrunde. Wenn in solchen Fällen nur die Sucht behandelt wird, führt dieser Ansatz in der Regel direkt in den Rückfall. Wirksame Therapien müssten daher immer auch “die Ebene hinter der Alkoholsucht” – beispielsweise posttraumatischen Belastungsstörungen oder Depressionen – widmen. Die Studienergebnisse haben außerdem gezeigt, dass bereits durchlaufene Therapien keinen Einfluss auf die Lebenserwartung alkoholabhängiger Probanden hatten.

Derzeitiges “Sucht-Regime” ist nicht mehr zeitgemäß

John und Schäfer folgerten daraus, dass “unser derzeitiges Sucht-Regime” dringend einer Überarbeitung bedarf und Prävention bei gefährdeten Personen bereits im Jugendalter greifen muss. Die beiden Sucht-Experten plädierten hier für Steuer-Erhöhungen, die alkoholische Getränke für Jugendliche unattraktiver machen würden, ein Werbeverbot für Alkohol und generell die Abwehr unseres “extrem alkoholfreundlichen” sozialen Klimas. Außerdem könnten Hausarzt-Programme dabei helfen, Alkoholprobleme frühzeitig zu erkennen und die Betroffenen mit gezielten Beratungs- und Behandlungsangeboten anzusprechen – dieser Punkt sei umso wichtiger, da viele alkoholkranke Patienten aus Scham oder Unwissenheit nicht von sich aus Hilfe suchen.

Die Experten der Gesundheitsakademie Schmidbauer merken dazu an: Die Therapie einer expliziten Sucht ist aufwändig und birgt das Risiko des Scheiterns. Die Greifswalder Studie liefert jetzt weitere Argumente, eine Alkoholsucht sowie riskanten Alkoholkonsum bereits im Vorfeld zu vermeiden. Wenn Sie das Gefühl haben, dass alkoholische Getränke in Ihrem Alltag bereits einen zu hohen Stellenwert besitzen, unterstützen wir Sie mit unseren Beratungs- und Trainingsangeboten wirksam und schnell bei Ihrer individuellen Prävention der Sucht. Die Aufarbeitung suchtfördernder lebensgeschichtlicher Aspekte ist dabei ein zentraler Bestandteil unseres therapeutischen Konzepts.

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Datum: Montag, 22. Oktober 2012 10:28
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