Alkoholabhängigkeit im Unternehmen – mit Folgen für den Arbeitsplatz

Die aktuellen Studien diverser Krankenkassen belegten in den letzten Wochen, dass Alkoholmissbrauch und Alkoholsucht nicht nur ein gesellschaftliches Problem, sondern auch ein volkswirtschaftlicher Faktor sind. Ökonomisch relevante Probleme ergeben sich hier nicht zuletzt aus hohen Krankheitskosten und deutlich überdurchschnittlichen Fehlzeiten der Betroffenen.

Auch in den Unternehmen selbst ist fortgesetzter Alkoholmissbrauch meist kein Kavaliersdelikt. Aufgrund der Sicherheits-Risiken, die mit Alkohol am Arbeitsplatz verbunden sich, haben die Berufsgenossenschaften in ihren Unfallverhütungsvorschriften eindeutig geregelt, dass Arbeitnehmer sich nicht durch Alkohol, Drogen oder andere berauschende Substanzen in einen Zustand versetzen dürfen, in denen sie eine Gefahr für sich und andere sind. Auch die Arbeitsgerichte werten eine manifeste Alkoholsucht in der Regel als Arbeitsunfähigkeit bedingende Erkrankung. Arbeitsrechtlich relevante Konflikte zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern sind hier programmiert.

Konfrontation durch den Arbeitnehmer und Langzeittherapie

Die Konfrontation des Arbeitnehmers mit seiner Sucht und der daraus resultierenden betrieblichen Probleme wird in der Regel vom Arbeitgeber initiiert. Den Betroffenen fällt es allerdings oft schwer, sich ihre Abhängigkeit selber einzugestehen, in einem derartigen Gespräch im Unternehmen kommt die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes hier hinzu – als Reaktion geben alkoholkranke Arbeitnehmer meist vor, ihr Trinkverhalten noch zu kontrollieren. Auf die Konfrontation sollte daher immer eine exakte Diagnose durch einen Arbeitsmediziner folgen, zumal die Feststellung einer klinisch relevanten Alkoholsucht nicht immer einfach ist. Arbeitnehmer sind zwar nicht verpflichtet, das ärztliche Attest bei ihrem Arbeitgeber einzureichen, Arbeitsgerichte werten dies sowie die entsprechende arbeitsmedizinische Untersuchung jedoch bei begründeten Zweifeln an der Arbeitsfähigkeit des Betroffenen als zumutbar – bei einer Verweigerung gilt der Arbeitnehmer in solchen Fällen bis zur Vorlage der Bescheinigung als arbeitsunfähig krank.

Eine Kündigungsgefahr ist mit der Offenlegung der Diagnose “Alkoholsucht” für den Arbeitnehmer zunächst nicht verbunden, sofern er sich einer Langzeittherapie zur Alkoholentwöhnung unterzieht. Wie bei allen anderen Erkrankungen greift in diesem Fall die sechswöchige Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber und später das Krankengeld der Krankenkassen. Der Arbeitgeber hat außerdem die nicht fest datierbare Behandlungsdauer hinzunehmen. Nach dem Ende einer erfolgreichen Therapie sollte im Unternehmen ein Gespräch zur Wiedereingliederung und künftigen Entwicklung des Arbeitgebers folgen.

Ein Rückfall nach der Therapie rechtfertigt oft die Kündigung

Kündigungsrelevant ist dagegen ein Rückfall nach der Langzeittherapie, der die Frage aufwirft, ob eine dauerhafte Alkoholsucht das Arbeitsverhältnis obsolet macht. Viele Arbeitsgerichte erkennen in diesem Fall Kündigungsrecht des Arbeitgebers an. Andere Richter neigen – auch angesichts der sehr hohen Rückfallquoten nach einer Entwöhnungstherapie – dazu, dem Arbeitnehmer eine zweite Therapie-Chance einzuräumen. Alternativ empfehlen Arbeitsrechtler in einem solchen Fall und insbesondere bei “gefahrgeneigten” Tätigkeiten, das Arbeitsverhältnis im Rahmen einer Abwicklungsvereinbarung zu beenden und eine Wiedereinstellungszusage nach einer erfolgreichen Therapie – unter verbindlichen ärztlichen Kontrollauflagen – zu treffen. Eine zunächst befristete Wiedereinstellung wird von allen Arbeitsrichtern akzeptiert – die “Erprobung der Rückfallgefahr” ist ein anerkannter Grund für die Befristung, die den Arbeitgebern vor allem im Hinblick auf eventuell folgende Kündigungsschutzverfahren Rechtssicherheit verschaffen soll.

Die Sucht-Experten der Gesundheitsakademie Schmidbauer meinen: Lassen Sie es nicht zu einer solchen Auseinandersetzung kommen und reagieren Sie auf Alkoholprobleme, bevor diese zum Thema in der Firma werden. In unseren mehrwöchigen Intensivtrainings zur Alkoholentwöhnung lernen Sie nicht nur, auf den Suchtstoff zu verzichten, sondern vor allem neue persönliche Strategien für ein erfülltes Leben ohne Sucht. Diskretion gegenüber Ihrem Arbeitgeber oder auch den Mitarbeitern im eigenen Unternehmen ist während einer solchen Auszeit selbstverständlich – auf Wunsch inklusive einer neutralen Kontakt- und Erreichbarkeitsadresse.

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Datum: Freitag, 28. September 2012 11:54
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