Alkohol zerstört die Grundlage von Partnerschaft und Liebe

Alkoholabhängige Frauen agieren, falls sie nüchtern sind, in der Kommunikation mit ihrem gesunden Partner meistens mit Distanz oder auch expliziten Unfreundlichkeiten. Nachdem sie getrunken haben, sind sie stärker oder überhaupt erst in der Lage, sich auf positive Zuwendungen einzulassen. Wenn beide Partner unter Alkoholproblemen leiden, steigert sich die negative Basis der Beziehung, alkoholabhängige Paare erleben im Vergleich zu Paaren ohne Suchtproblem “weniger Gemeinsamkeit” und weniger “positive Transaktionen”. Auch gewaltsame Episoden gehören in alkoholbelasteten Beziehungen oft zum Alltag. Frauen sind ihren männlichen Partnern hier oft weder in ihrer “Initiative” noch in ihrer “Tatkraft” unterlegen. Alkoholische Getränke lösen zwar nicht an und für sich genommen Aggressionen aus, ihr Konsum steigert jedoch Impulsivität und dämpft die Aggressionskontrolle. Bei Menschen mit erhöhter Aggressionsbereitschaft senkt Alkohol die Hemmschwelle für gewalttätige Aktionen – bei den Tätern ebenso wie bei den Opfern.

Acht Grundbedürfnisse in Paarbeziehungen – bei Alkoholsucht unerfüllt

Zu diesen Ergebnissen kommt die Schweizer Psychologin Bea Schild in ihrem aktuellen Buch “Partnerschaft und Alkohol”. Ihre Untersuchung geht über die Frage von alkoholbedingter negativer Kommunikation oder von Gewalt in Partnerschaften weit hinaus, die Autorin will damit die psychischen Folgen einer Alkoholsucht für die Beziehung sehr komplex erfassen. Durch Alkoholmissbrauch kommen in Partnerschaften demnach “Fluktuation” und eine “multiple Ambivalenz” zum Tragen, die der Befriedigung von insgesamt acht Grundbedürfnissen in einer Partnerschaft zuwiderlaufen:

  1. Sicherheit: Trinkende Partner sind als Folge ihrer Sucht primär auf sich selbst respektive ihre Sucht fixiert und nicht mehr fähig, den anderen in seinen Gefühlen und Bedürfnissen wahrzunehmen und zu akzeptieren
  2. Wertschätzung und Vergewisserung: Die “Bedeutsamkeit” der eigenen Person kann ebenso wie die des Partners in einer alkoholgeprägten Partnerschaft nicht mehr angemessen wahrgenommen werden
  3. Mangelnde Widerspiegelung des Partners in den eigenen Gedanken und Gefühlen
  4. Mangelnde Selbstdefinition als Ausdruck der eigenen Einmaligkeit und deren Akzeptanz in der Beziehung
  5. Einfluss darauf, das Interesse des Partners zu gewinnen und ihn zu gewünschten Interaktionen zu motivieren
  6. “Unangefragte Kontaktaufnahmen” respektive eine offene, lebendige Beziehung
  7. Geben und Nehmen in der Partnerschaft
  8. Gegenseitiger Schutz – auch und insbesondere vor destruktiven Zügen der eigenen Persönlichkeit oder des eigenen Verhaltens

Co-Abhängigkeiten und “Beziehung als Fassade”

Als Folge davon zerstört Alkoholmissbrauch auf lange Sicht die Grundlagen von Partnerschaft und Liebe. Bei vielen Paaren, bei denen Alkoholsucht eine Rolle spielt, existiert die Beziehung irgendwann allenfalls als äußere Fassade weiter. Gerade für den “trockenen Partner” kommt hier neben den augenfälligen Folgen der Sucht für die Beziehung hier oft außerdem das Leiden an einer Co-Abhängigkeit zum Tragen.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer sind eine erfüllte Partnerschaft und Süchte zwei Welten, die grundsätzlich nicht zusammenpassen. Falls Sie bereits unter Alkoholproblemen leiden, haben Sie diese Erfahrung vermutlich auch schon selbst gemacht – die Frage ist, ob Sie sich dies auch eingestanden haben. In unseren Intensivtrainings zur Prävention der Alkoholsucht arbeiten Sie zusammen mit unseren erfahrenen Therapeuten an Ihrem schnellen und nachhaltigen Ausstieg aus der Sucht. Im therapeutischen Gespräch spielen dabei selbstverständlich auch Partnerschaftsprobleme – und Möglichkeiten zu ihrer Überwindung – eine wesentliche Rolle.

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Datum: Dienstag, 14. Mai 2013 10:58
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