Alkohol und Jugendliche (Teil 2)

Welche Regeln gelten für Jugendliche im Umgang mit Branntwein, Alkopops und branntweinhaltige Lebensmittel?

Unter die Bezeichnung “Branntwein” fallen alle alkoholhaltigen Getränke, die gegärt und anschließend destilliert worden sind. Dazu gehören Weinbrand, Korn, Rum, Whisky, Likör, Magenbitter etc. Als branntweinhaltige Getränke gelten auch Spirituosen, die nur zu einem kleinen Teil Branntwein enthalten, wie zum Beispiel Longdrinks. Wie hoch der Alkoholgehalt ist, spielt keine Rolle. Entscheidend ist die Art des Alkohols.

Auch die Form des Produktes spielt keine Rolle. Selbst wenn das Produkt aus Eis oder Pulver besteht, ist es ein branntweinhaltiges Getränk. Wenn ein Getränk lediglich Aromen branntweinhaltiger Getränke enthält, gilt es nicht als branntweinhaltig.

Alkopops sind Mischgetränke, die regelmäßig mit Getränken auf Branntweinbasis (Spirituosen) hergestellt werden. Alkopops müssen folgende Kennzeichnung tragen: “Abgabe an Personen unter 18 Jahren verboten, § 9 Jugendschutzgesetz”. Der Alkoholgehalt ist nicht entscheidend. Auch wenn ein Alkopop weniger Alkohol enthält als ein Bier, fällt das Getränk unter eine spezielle Regelung.

Darf Alkohol in Getränkeautomaten oder über den Versandhandel verkauft werden?

Alkoholische Getränke dürfen in der Öffentlichkeit nur an Automaten angeboten werden, wenn sichergestellt ist, dass sich Kinder und Jugendliche nicht daran bedienen können. Der Anbieter muss das entweder technisch sicherstellen (z.B. durch die Kontrolle des Geldkartenchips) oder er muss den Automaten an einem Ort aufstellen, der für Kinder und Jugendliche nicht zugänglich oder der beaufsichtigt ist. Branntwein und branntweinhaltige Getränke dürfen gar nicht in Automaten verkauft werden.

Welche Regeln gelten für “Flatrate-Partys”?

Für gastronomische Veranstaltungen, bei denen Alkohol zu einem Pauschaltarif abgegeben wird (“All-inclusive-Party”, “Flatrate-Party”), gelten die üblichen Beschränkungen des Jugendschutzgesetzes. Außerdem gelten die zeitlichen Beschränkungen für Gaststätten. Die zuständige Behörde kann auch anordnen, dass Minderjährige gar nicht zu der Veranstaltung dürfen. Zudem gibt es im Gaststättengesetz (hierfür sind inzwischen die Bundesländer zuständig) für Gewerbetreibende das Verbot, an erkennbar Betrunkene Alkohol auszuschenken.

Die Rahmenbedingungen sind schwierig. Denn in der Welt der Erwachsenen ist Alkohol nicht geächtet. Alkohol ist eine Volksdroge: gesellschaftsfähig und akzeptiert. Das Rauchen hingegen ist inzwischen zunehmend verpönt. Der Einfluss der Bundes-, Landes- und Europapolitik hat hierzu stark beigetragen. Um Alkohol kümmert sich die Politik bisher nur unzureichend. Anders als beim Rauchen steht der Politik nicht eine Handvoll großer Konzerne gegenüber, sondern ein riesiger Mittelstand aus Bierbrauern, Weinbauern, Winzern, Schnapsbrennern, der erstaunlich gut organisiert ist. Die Werbung für Bier, Alcopops & Co. nimmt – anders als früher – immer jüngere Zielgruppen ins Visier. Beim Verkauf von Alkohol wird häufig der Jugendschutz unterlaufen, das zeigen Testkäufe von Verbraucher- und Gesundheitsschützern immer wieder. Und so sind die Rahmenbedingungen für Präventionsprojekte schwierig. Denn diese Projekte werden in den Kommunen organisiert, und die haben zu wenig Einfluss auf Werbung oder Bundespolitik.

Wenden Sie sich bei Fragen zu Suchtproblemen vertrauensvoll an die Gesundheitsakademie Schmidbauer.

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Datum: Dienstag, 22. Oktober 2013 11:47
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