Alkohol und Drogen am Arbeitsplatz

Man spricht von fünf Prozent Abhängigen und zehn Prozent Suchtgefährdeten in der arbeitenden Bevölkerung. Allein wegen Alkohols am Arbeitsplatz entstanden 2007 fast 30 Milliarden Euro Verlust für die Volkswirtschaft, alkoholbedingte Arbeitsunfälle verursachten Kosten von einer Milliarde Euro. Wie stark Medikamentenabhängigkeit zugenommen hat, weiß keiner – sie wird nicht umsonst die “stille Sucht” genannt. Eine Schnapsfahne kann man immerhin riechen.

Beim Thema »Alkohol am Arbeitsplatz« denken manche vielleicht an das Anstoßen mit einem Gläschen Sekt auf den Geburtstag oder das Betriebsjubiläum einer Kollegin oder eines Kollegen. Alkoholkonsum ist so alltäglich, dass bei solchen Gelegenheiten auch in der Firma getrunken wird. Was in der Freizeit ganz normal scheint, wird auch am Arbeitsplatz unkritisch betrachtet. Zu Unrecht: Alkohol am Arbeitsplatz kann ernsthafte Folgen haben.

Bereits ein Glas Sekt kann beim Bedienen einer Maschine Arbeitsunfälle nach sich ziehen. Denn schon mit 0,2 Promille lassen das Sehvermögen und die Bewegungskoordination nach. Das hat Auswirkungen nicht nur auf die Sicherheit, sondern auch auf die Leistungsfähigkeit und letztlich auf die Qualität der Arbeit.

Doch nicht nur der Konsum von Alkohol auf der Arbeit selbst kann schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen. Wer beispielsweise nach einer durchfeierten Nacht mit einem »Kater« zur Arbeit geht, kann einen erhöhten Blutalkoholspiegel haben und schwebt deshalb in einer deutlich erhöhten Gefahr für Unfälle – am Arbeitsplatz und im Straßenverkehr. Und diese kommen leider nicht selten vor.

In der Regel geht es Betrieben um Vorbeugung vor Sucht und Hilfe für jene, die abhängig sind – egal ob von Alkohol, Pillen, Heroin oder Marihuana. Dass Prävention Pflicht ist, steht schon im Arbeitsschutzgesetz: Der Arbeitgeber sei verpflichtet, “die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit” zu gewährleisten.

Die Berliner Fachstelle für Suchtprävention empfiehlt, erst einmal genau hinzuschauen und Symptome einer möglichen Sucht von Mitarbeitern zu sammeln: Fehlzeiten, verbummelte Termine, vor allem konkrete Fehler in der täglichen Arbeit. Man müsse dem Mitarbeiter klarmachen, dass sein Verhalten Probleme verursacht. Ein großer Teil der Produktivitätsverluste entsteht weniger wegen Absentismus, nämlich durch Fehlzeiten, sondern weil die Leute am Tag vorher trinken waren und verkatert zur Arbeit kommen.

Mit der Industrialisierung kam die Sucht

Zum ersten Mal zu einem Problem wurde Alkohol am Arbeitsplatz mit der Industrialisierung: Auf einmal hatten die Arbeiter erstmals selbst Geld in der Hand, um Alkohol zu kaufen – vorher, als sie noch Landarbeiter waren, wurde ihnen der Alkohol zugeteilt.

Alles schön und gut, aber eigentlich müsste man bei der Arbeitskultur anfangen: zu viel Stress, zu wenig Anerkennung, zu wenig Freiheit – alles Suchtfaktoren. Immer mehr Menschen trinken Alkohol, um Stress zu bewältigen. Bei Überlastung kommen meist auch Pillen ins Spiel, sich für bessere Leistung mit Medikamenten zu dopen, ist schließlich gesellschaftlich akzeptiert. Aus Sicht von Suchtexperten ist Prävention allemal wirtschaftlich sinnvoll, jeder dafür investierte Euro könne sich mehrfach auszahlen.

Möchten Sie mehr zu diesem Thema wissen? Wenden Sie sich an die Gesundheitsakademie Schmidbauer.

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Datum: Samstag, 28. November 2015 10:31
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