Alkohol-Prävention zu Karneval, Fasching oder Fasnet

Karneval, Fasching oder die alemannische Fasnet stehen vor der Tür – mit Bällen, Umzügen und vielen anderen närrischen Events. Traditionell spielt in dieser Zeit Alkohol eine große Rolle, mehr als ein Narr trinkt bis zum Exzess und kann sich glücklich schätzen, wenn die Feier nur mit einem massiven Kater und nicht in der Notaufnahme eines Krankenhauses endet.

Relativ neu ist, dass diverse kommunale Präventions-Aktivitäten sich auch auf die “tollen Tage” erstrecken – das Spektrum reicht von einer aktiven Selbstbeschränkung der Vereine bis zu kompletten Alkoholverboten. Veranstalter und Kommunen reagieren damit zum Teil auf Alkoholexzesse aus vergangenen Jahren. Im Vordergrund steht jedoch eine neue Sicht auf die “Funktion” von Alkohol bei Feiern – angesichts der vorherrschenden Trinkkultur in Deutschland kann dies durchaus als ein Erfolg der diversen Präventionskampagnen gelten.

Beispiel Trier: Weiberfastnacht ohne Alkohol

Die Arbeitsgemeinschaft “Trierer Karneval” hat die Prinzenproklamation zu Weiberfastnacht als alkoholfreie Veranstaltung geplant. Einen solchen Bruch mit überkommenen Fastnachtsbräuchen gibt es in Trier zum ersten Mal – Stadt und Karnevalsvereine reagieren damit auf Vorkommnisse aus dem vergangenen Jahr. Der Karnevalsauftakt wurde 2012 durch zahlreiche volltrunkene Jugendliche massiv gestört. In diesem Jahr hat Trier qua Gefahrenabwehrverordnung für den “Fetten Donnertag” ein Alkoholverbot für die meisten öffentlichen Plätze seiner historischen Altstadt erlassen. Die Prinzenproklamation soll bereits um zwölf Uhr mittags enden: Karnevalisten, Stadt und Polizei haben sich auf den Wegfall der Weiberfastnachts-Party am Nachmittag geeinigt und wollen so verhindern, dass “unser Brauchtum wiederum missbraucht wird”.

Beispiel Bornheim: “Keine Kurzen für Kurze”

Unter dem Motto “Keine Kurzen für Kurze” versucht die Stadt Bornheim im Rhein-Erft-Kreis bereits seit 2008, karnevalistische Alkoholexzesse unter Jugendlichen zu verhindert. Das Jugendamt spielt dabei eine sehr aktive Rolle und ist mit Jugend-Sozialarbeitern und Freiwilligen bei den meisten Karnevals-Events präsent. Während der Umzüge erhalten Jugendliche kostenlos Tee, Wasser und belegte Brötchen “aus dem Bollerwagen”. Wer mag, kann dort auch eine heiße Pizza gegen alkoholische Getränke tauschen.

Die Hauptanlaufstelle für die Kids sind zwei Jugendbusse an zentralen Orten, die von den Jugendlichen sehr gut angenommen werden. Viele suchen von selber den Kontakt, wenn es beispielsweise einem Freund nicht gut geht. Für “schwere Fälle” ist eine Auffangstation im Einsatz. Der Karnevalsverein “Bornheimer Tollittäten” steht bei den präventiven Aktionen Pate und thematisiert in seinen Auftritten auch die Gefahren von Alkohol für Jugendliche. Parallel dazu zeigen Polizei und Ordnungsamt verstärkt Präsenz, bei Alkoholexzessen reagieren sie restriktiv und schnell.

Beispiel Schwaben: Präventionsarbeit mit den Vereinen und Selbstkontrolle

Im schwäbischen Waldkirch bereiten sich die Fasnet-Zünfte auch durch Präventionsabende auf die “tollen Tage” vor. Das Angebot der Stadt wird von den Zünften sowie von gastronomischen Betrieben sehr gut angenommen. Experten der Kommune erläutern zu den Terminen die Anforderungen des Jugendschutzes und wollen insgesamt das öffentliche Bewusstsein für die Problematik schärfen. Zu den Fasnet-Events in Waldkirch wird die Stadt mit einem “Saftladen” präsent sein, an dem es für Jugendliche und andere Interessierte Säfte, Softdrinks und alkoholfreie Cocktails gibt. Im Rahmen der Präventionskampage “Check dein Risiko” sind Vertreter der Stadt Waldkirch bereits jetzt in öffentlichen Verkehrsmitteln des Landkreises Freiburg unterwegs und kommen mit Jugendlichen zum Thema Alkohol-Gefahren ins Gespräch.

Der Baindter Fasnet-Aktivist Daniel Sonntag setzt neben einigen restriktiven Regeln – so wird es Karten für den Baindter Fasnet-Ball erst ab 18 Jahren geben – vor allem auf die Selbstkontrolle der Vereine. Bei seinen “Baindter Schalmeien” gebe es unter anderem einen “Bringdienst”, der angetrunkenen Vereinsmitgliedern und anderen Gästen nach Hause hilft – das schlechte Gewissen gegenüber den Fasnet-Kameraden verhindert seiner Erfahrung nach wirksam größere Alkohol-Exzesse.

Be Sociable, Share!

Autor:
Datum: Freitag, 18. Januar 2013 10:05
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Alkoholsucht

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren.
Pingen ist momentan nicht möglich.

Kommentar abgeben