Alkohol-Prävention – in Baden-Württemberg vorerst ohne Alkoholverbote und mit erweitertem Etat

Die Diskussion um eine wirksame Prävention von Alkoholmissbrauch spaltet die Bundesrepublik der Tendenz nach in zwei Lager, in denen es um Prävention durch Aufklärung versus Alkoholverbote geht. Die rot-grüne Landesregierung in Stuttgart hat sich jetzt klar gegen Alkoholverbote auf öffentlichen Plätzen ausgesprochen und setzt stattdessen auf eine Ausweitung von Präventionskampagnen. Die Bundesregierung sowie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) definierten das Problem dagegen etwas komplexer – in ihrer Preis-Auslobung für “vorbildliche Strategien zur kommunalen Suchtprävention” geht es um die Verbindung von Aufklärung mit Maßnahmen der Gesundheits-, Sozial- und eben auch Ordnungspolitik.

Stuttgart: “Säule der Prävention” zielgruppengenau und ohne Pauschalisierung stärken

In Baden-Württemberg wird es in den nächsten beiden Jahren einen zusätzlichen Etat von jeweils 200.000 Euro für Maßnahmen der kommunalen Suchtprävention sowie die mobile Jugendarbeit geben. Alkoholverbote auf öffentlichen Plätzen haben die Stuttgarter Regierungsparteien dagegen bis auf weiteres nicht (mehr) im Blick. Noch kurz vor der Entscheidung waren sowohl innerhalb der SPD als auch bei den Grünen Stimmen für entsprechende Verbote laut geworden. Auslöser der Stuttgarter Alkohol-Debatte war unter anderem die zunehmende Gewalt gegenüber Polizisten, bei denen häufig Alkohol im Spiel sei. Auch nach dem eindeutigen Nein des SPD-Parteitags zu Alkoholverboten im öffentlichen Raum war die Diskussion zunächst noch nicht vom Tisch.

Hinter den Kulissen haben die beiden Regierungspartner nun offenbar eine Regelung gefunden. Ein Sprecher der Stuttgarter Landesregierung ließ wissen, dass man künftig die “Säule der Prävention zielgruppengenau stärken” wolle, zumal Alkoholmissbrauch und Gewalt durch Alkohol in vielen Lebensbereichen und nicht nur auf öffentlichen Plätzen eine Rolle spiele. Alkoholverbote in der Öffentlichkeit führten nur zu einer Verlagerung der Probleme und beträfen zudem pauschal alle Menschen.

BZgA-Wettbewerb zur kommunalen Suchtprävention prämiiert auch erfolgreiche Verbote

Der Wettbewerb der BZgA und der Drogenbeauftragten der Bundesregierung zur kommunalen Suchtprävention zielt jedoch auch auf komplexe Präventionsmaßnahmen. Noch bis zum 14. Januar 2013 können sich Kommunen und kommunale Institutionen um das Preisgeld von insgesamt 60.000 Euro bewerben. Preiswürdig sind alle kommunalen Projekte, die einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol zum Thema haben, beispielsweise die Arbeit von Beratungsstellen, Streetworkern oder Mediations-Projekten sowie kommunale Aktivitäten zur präventiven Jugendarbeit. Daneben können jedoch auch Städte und Gemeinden einen Preis erwarten, die sich zur Verhinderung von Alkoholmissbrauch für Konsumbeschränkungen oder -Verbote im öffentlichen Raum entschieden haben und damit erfolgreich sind.

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Datum: Montag, 26. November 2012 11:47
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