Alkohol-Prävention bei Jugendlichen – zehn Tipps für Eltern

Der Alkoholmissbrauch von Jugendlichen und seine persönlichen und gesellschaftlichen Folgen – von frühen Suchtrisiken bis gewaltorientieren Alkoholexzessen mit Verletzungs- oder Todesfolge – spielen in der öffentlichen Diskussion sowie in Medienberichten eine immer größere Rolle. Viele Experten gehen inzwischen davon aus, dass in der Prävention des Alkoholmissbrauchs junger Menschen neue Konzepte nötig sind. Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer sind – wie hier im Blog bereits vor einigen Tagen angemerkt – jedoch nicht nur “gesellschaftliche” Präventionsmaßnahmen nötig. Für eine wirksame Verhinderung des Alkoholmissbrauchs durch Jugendliche oder Kinder sind nicht zuletzt die Familien in der Pflicht.

Für die meisten Eltern steht die Notwendigkeit dafür wohl außer Frage – in der Praxis geht es jedoch oft darum, wie sie das Thema zusammen mit den Kids so angehen können, dass die “Familien-Prävention” dann auch im Alltag der Jugendlichen trägt. Im “Hamburger Abendblatt” veröffentlichte der norddeutsche Experte Hinnerk Frahm jetzt zehn Eltern-Ratschläge für den verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol. In unserem Überblick haben wir sie durch einige eigene Tipps ergänzt.

  1. Wenn Kinder zwar noch keinen Alkohol probiert haben, sich jedoch dafür interessieren und Fragen stellen, sollten Sie ihnen Wirkungen und Gefahren alkoholischer Getränke altersangemessen erklären. Vor ihrem 16. Geburtstag sollten Kinder und Jugendliche möglichst keinen Alkohol zu sich nehmen. Für Ausnahmen, etwa bei Familienfeiern, sollten klare Regeln gelten: Nur kleinste Mengen Wein, Sekt oder Bier, kein harter Alkohol und kein Alkoholkonsum ohne die Aufsicht erwachsener Personen.
  2. Dramatisierende Erklärungen der Alkohol-Gefahren – Erbrechen, Übelkeit, Unfälle, die Gefahr von sexuellem Missbrauch – erzeugen bei den Kids auch Spannung und unter Umständen das Interesse, einmal selber auszutesten, welche Folgen Alkohol tatsächlich hat. Erklären Sie Ihrem Kind die Wirkungen von Alkohol daher sachlich und ohne aus Sicht der Jugendlichen vielleicht eher übertriebene Dramatik. Vielleicht findet Ihr Kind auch altersgemäße Informationsseiten im Internet ganz spannend, die oft auch von Experten moderierte Chats zum Thema bieten.
  3. Machen Sie Ihren Kindern klar, dass in bestimmten Situationen – Straßenverkehr, Schule und Beruf, Sport oder auch bei Schwangerschaft – Alkohol ein absolutes No-Go ist und erklären Sie die Gründe.
  4. Treffen Sie mit Ihrem Kind klare Abmachungen darüber, dass Partys zu Hause bis zu einem bestimmten Alter (16 Jahre?) alkoholfrei sind – und behalten Sie darüber auch später die Kontrolle.
  5. Helfen Sie Ihrem Kind dabei, einen sicheren Heimweg von Disco oder Party zu organisieren. Wichtig ist, dass es auf keinen Fall mit angetrunkenen Fahrern mitfährt. Notfalls sollten Sie selbst das Abholen Ihrer Teenager mit Ihrem Auto übernehmen.
  6. Wenn Ihr Kind Alkohol getrunken hat oder sogar betrunken heimkommt, überfallen Sie es nicht mit Vorwürfen und Klagen. Besser ist ein klärendes Gespräch am nächsten Tag, bei denen es um seine Motive für den Alkoholkonsum geht und auch der zukünftige Umgang mit Alkohol besprochen werden kann.
  7. Achten Sie darauf, wie Sportclubs und andere Vereine, in denen Ihr Kind aktiv ist, zu Alkohol und Zigaretten stehen. Bei kritischen Situationen können Sie hier auch das Gespräch mit Trainern, Vereinsvorsitzenden oder anderen verantwortlichen Person
  8. Bleiben Sie zum Thema Alkohol mit Ihren Kindern im Gespräch. Fragen Sie auch nach, wie Freunde oder Clique das Thema sehen. Wenn Sie bemerken, dass Alkohol hier eine unangemessene Rolle spielt, sind – sachliche – Diskussionen und Gespräche, aber auch klare Vereinbarungen mit den Jugendlichen wichtig.
  9. Wenn Ihr Kind solche Absprachen verletzt, müssen – vorher abgesprochene – Konsequenzen, zum Beispiel ein Party-Verbot in den nächsten Wochen – folgen. Inkonsequenz Ihrerseits setzt frühere Vereinbarungen zum Alkoholkonsum sonst sehr schnell für immer außer Kraft.
  10. Bei Fragen und insbesondere, wenn Ihr Kind bereits Alkoholprobleme hat, stehen Ihnen die Schulsozialarbeiter sowie Beratungsstellen mit professioneller Unterstützung zur Seite. Nehmen Sie solche Angebote möglichst zeitig wahr, wenn Sie feststellen, dass Sie entsprechende Probleme nur schwer innerhalb der Familie lösen können.

Last but not least geht es bei einer wirksamen Alkohol-Prävention für Ihre Kinder auch um Ihre eigene Vorbildwirkung. Durch eine familiäre Atmosphäre, in der alkoholische Getränke nur ausnahmsweise eine Rolle spielen sowie Probleme – mit Alkohol oder anderen Themen – partnerschaftlich und fair besprochen werden, werden Ihre Kinder meist frühzeitig die innere Stärke entwickeln, Alkohol und anderen (Sucht-)Gefahren zu widerstehen.

Be Sociable, Share!

Autor:
Datum: Montag, 12. November 2012 10:05
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Alkoholsucht

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben