Alkohol im Straßenverkehr – eine ernstzunehmende Gefahr

Die Polizeipräsidien in Baden-Württemberg und Bayern präsentierten jetzt die aktuellen Verkehrsunfall-Statistiken für ihre Bundesländer. Die Bedeutung von Alkoholmissbrauch bei schweren Verkehrsunfällen und Unfällen mit Todesfolge ist in beiden Fällen alarmierend. Jeder siebte tödliche Unfall in Baden-Württemberg wurde im ersten Halbjahr 2012 durch Alkoholmissbrauch verursacht. Bei den insgesamt 2.545 Unfällen unter Alkoholeinfluss starben 31 Menschen, 432 Personen wurden schwer und 888 weitere leicht verletzt. Bayern meldete für das Jahr 2011 allein für den Großraum München 565 Verkehrsunfälle mit Alkoholbeteiligung, bei denen 290 Personen verletzt und fünf getötet wurden – als besonders erschreckend wertete die Münchner Polizei in diesem Kontext eine Steigerungsrate von 10,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Münchner Polizeipräsident Professor Dr. Schmidbauer gab aus diesem Anlass eine Pressekonferenz zum Thema “Alkohol im Straßenverkehr” und appellierte in diesem Rahmen an die Politik, Geldbußen und -Strafen bei Überschreiten der zulässigen Promillegrenze spürbar zu erhöhen – angesichts des hohen Grades von Alkoholmissbrauch in Deutschland sei dieses Thema überfällig.

Rund zehn Prozent der Bevölkerung konsumieren Alkohol auf riskante Weise

Schmidbauer verwies auf geschätzte 1,5 Millionen alkoholabhängige und etwa 1,9 Millionen stark alkoholgefährdete Menschen in Deutschland. Hinzu kämen 5,6 Millionen Menschen, die Alkohol in riskanten Mengen und auf riskante Weise konsumieren. Nach diesen Zahlen hätten rund zehn Prozent der Deutschen ein manifestes Alkoholproblem. Die 399 Menschen, die deutschlandweit im letzten Jahr bei Verkehrsunfällen unter Alkoholeinfluss getötet wurden, belegten, dass das Thema “Alkohol im Straßenverkehr” hohe Relevanz besitzt.

Bei einem Blutalkoholgehalt von 1,1 Promille sei die Unfallwahrscheinlichkeit achtmal höher als bei nüchternen Autofahrern, ab 0,3 Promille beeinflussen alkoholische Getränke – bei steigender Risikobereitschaft – bereits das Wahrnehmungs- und Reaktionsvermögen. Als Folge davon sei Alkohol die wichtigste Ursache für Verkehrsunfälle mit Personenschaden. Autofahrer, die unter Alkoholeinfluss in einen Unfall verwickelt sind, machen sich unabhängig von der Schuld-Frage übrigens schon ab einem Blutalkoholspiegel von 0,3 Promille strafbar.

Kein “Herantrinken” an die Promillegrenze

Die Münchner Polizei setzt laut Professor Schmidbauer auf Prävention und die Verbindung von Aufklärung über die Gefahren von Alkohol auf der Straße sowie engmaschige Kontrollen. Nach seinen Angaben verhinderten Münchner Polizisten im vergangenen Jahr 824 Fahrten unter Alkohol, 4.448 folgenlose Fahrten angetrunkener Fahrer wurden aufgedeckt und durch die Polizei beendet.

Kritisch wertete der bayrische Polizei- und Verkehrsexperte dagegen die französische Strategie, nach der Autofahrer durch einen verpflichtend mitgeführten Alkoholtest ihre Fahrtüchtigkeit selbst bewerten sollen. Die Münchner Polizei warne ausdrücklich vor dem “Herantrinken” an die gesetzlich zulässige Promillegrenze – wer trinken will, sollte am besten gleich öffentliche Verkehrsmittel oder ein Taxi nutzen, auf jeden Fall aber sein Auto stehen lassen.

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Datum: Freitag, 31. August 2012 10:15
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