Alkohol – im europäischen Vergleich in Deutschland günstig

Alkohol-Experten fordern immer wieder, die Preise für alkoholische Getränke durch einen Steueraufschlag deutlich zu erhöhen, um damit die Prävention von Alkoholmissbrauch zu unterstützen. In der Praxis – und in der öffentlichen Diskussion – spielt dieses Thema bisher eine eher marginale Rolle. Im Hintergrund geht es dabei mit Sicherheit auch um ein Patt zwischen einer auch politisch unterstützten Präventions-Idee und den Lobbyinteressen der Alkoholhersteller.

Das Europäische Statistikamt “Eurostat” veröffentlichte zu den Alkoholpreisen in Deutschland und Europa jetzt einige interessante Daten: Bier, Wein und Schnaps sind hierzulande mit Ausnahme von Bulgarien, Rumänien und Ungarn so billig wie nirgendwo sonst in der EU.

Alkohol in Skandinavien teuer, in Deutschland und auf dem Balkan billig

Besonders teuer ist Alkohol im Nicht-EU-Mitglied Norwegen sowie in Finnland, was übrigens seiner Beliebtheit im hohen Norden bisher keinen Abbruch tut – beide Länder gehören zu den Spitzenreitern im europäischen Alkoholverbrauch. Die Preise für alkoholische Getränke liegen in Norwegen um 288 Prozent über dem europäischen Durchschnitt, in Finnland immerhin um 175 Prozent. Auch in Irland, Schweden oder Großbritannien ist Alkohol mit 162 Prozent, 161 Prozent und 143 Prozent überdurchschnittlich teuer.

Am unteren Ende liegen Bulgarien mit 67 Prozent, Rumänien 75 Prozent und Ungarn mit 79 Prozent. Deutschland spielt mit 82 Prozent des europäischen Durchschnitts nahezu in dieser Liga. Die allgemeinen deutschen Lebensmittelpreise liegen dagegen um etwa sechs Prozent darüber, was unter anderem durch teures Fleisch ( 128 Prozent des EU-Durchschnitts) sowie generell niedrige Preise für Nahrungsmittel und Getränke in Osteuropa getrieben wird.

“Kultureller Anstoß” durch teuren Alkohol?

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer sind diese Zahlen äußerst spannend. Deutschland gehört weltweit zu den “Top-20-Ländern” mit dem höchsten Alkoholkonsum. Steuerliche Sanktionen für alkoholische Getränke würden sich damit immer noch im unteren Bereich bewegen, gleichzeitig aber auch ein Zeichen für einen “kulturellen Änderungsprozess” setzen, in dem Alkoholfreiheit respektive ein niedriger Konsum als gesellschaftliches Leitbild propagiert wird.

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Datum: Dienstag, 25. Juni 2013 10:35
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