Alkohol am Arbeitsplatz

Der Arbeitsplatz ist ein wichtiger Lebensbereich – er hat starken Einfluss auf unser Wohlbefinden. Über- und Unterforderung, physikalische Belastungen (Hitze, Kälte etc.), Schichtarbeit, unklare Aufgabenbereiche, extreme Konkurrenzsituationen, Mobbing und fehlende Entscheidungsspielräume können den Alkoholmissbrauch auslösen. Der Arbeitsplatz kann ein idealer Nährboden für Suchtprobleme sein.

Die Statistiken sprechen eine alarmierende Sprache: 10 bis 30 Prozent der Arbeitsunfälle ereignen sich unter Alkoholeinfluss. 5 Prozent aller Beschäftigten gelten als alkoholsüchtig und weitere 10 Prozent als stark gefährdet. 11 Prozent der Beschäftigten trinken täglich Alkohol am Arbeitsplatz, 41 Prozent gelegentlich.

Alkoholgenuss vermindert die Aufmerksamkeit, setzt die Kritikfähigkeit herab, senkt das Seh- und Reaktionsvermögen und führt zu Überschätzung. Es folgen Störungen des Gleichgewichtsinns, der Koordination von Armen und Beinen und fehlende Feinmotorik der Hände. Langfristig führt erheblicher Alkoholgebrauch zu Organschädigungen. Deshalb handelt es sich bei Alkoholismus um eine Krankheit, die durch Fachleute behandelt werden muss.

Besonders gefährdet sind Berufe, in denen ein hoher Flüssigkeitsbedarf notwendig ist, wie in staubigen und warmen Arbeitsumgebungen und körperlich schweren Arbeiten. Aber auch Menschen in besonderen Stressberufen und Stresssituationen sind betroffen, z.B. Aussendienstler, IT-Fachkräfte, Manager.

Seitens des Arbeitsrechts gibt es kein absolutes Alkoholverbot. Der Mitarbeiter kann Alkohol konsumieren, solange er seine Pflichten aus dem Arbeitsvertrag nicht verletzt. Insoweit spricht man von einem “relativen Alkoholverbot”.

Alkoholverbote können aber ausdrücklich im Arbeitsvertrag festgelegt sein. Sie können ferner in Betriebsvereinbarungen, Betriebsordnungen und Arbeitsanweisungen enthalten sein. Von großer Bedeutung ist schließlich die Regelung in § 31 Jugendarbeitschutzgesetz, die dem Arbeitgeber die Abgabe von Alkohol an Jugendliche verbietet. (Quelle: Dr. Gloistein & Partner)

Trinkende Arbeitskollegen auf ihr Suchtproblem anzusprechen, ist nicht einfach. Damit sie sich auf ein Gespräch überhaupt einlassen, ist die Ich-Form von Vorteil. Das Gespräch könnte beispielsweise eröffnet werden mit: «Ich würde gerne mit dir persönlich sprechen. Ich möchte mit dir über die Dinge reden, die mir in der Zusammenarbeit aufgefallen sind.» Kontraproduktiv ist es, dem Mitarbeiter Vorwürfe zu machen. Das erschwert den Zugang zu ihm nur umso mehr. Erfahrungsgemäß reagiert die angesprochene Person zunächst mit Ausflüchten und Abwehr. Dennoch sollte eine Diskussion vermieden werden. Die Devise laute dabei: Nicht aufgeben. Auch wenn der Erfolg des Gesprächs nicht gleich sichtbar wird.

Wer während der Arbeitszeit Alkohol trinkt, riskiert seinen Job. Zwar gibt es per Gesetz kein generelles Alkoholverbot in Betrieben, doch viele Firmen sehen das anders. Von der Abmahnung bis zur Kündigung ist alles möglich. Alkoholabhängigen oder -gefährdeten Arbeitnehmern sollten von Seiten der Geschäftsleitung stets mehrere Chancen eingeräumt werden, ihr Verhalten zu überdenken und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um ihr Suchtproblem in den Griff zu bekommen.

Haben Sie noch weitere Fragen zu diesem Thema? Wenden Sie sich an die Gesundheitsakademie Schmidbauer.

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Datum: Samstag, 23. Januar 2016 12:55
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