Abstinenz – Gratwanderung zwischen “Alkoholiker-Verdacht” und sozialer Akzeptanz?

In der Wochenzeitung “Die Zeit” meldete sich vor kurzem eine promovierte Akademikerin mit einem anonym veröffentlichen Leser-Artikel zu Wort. Das Thema: Wie sich ihre – längst überwundene – Alkoholkrankheit entwickelt hat und warum sie diese bis heute in ihrem sozialen Umfeld verschweigt.

Der Weg der Frau in einen kritischen und suchtrelevanten Alkoholkonsum ist typisch für viele Menschen aus der “Mitte der Gesellschaft”: Zu hohe Arbeitslast und Druck in der Endphase des Studiums, Ängste, keinen passenden Job zu finden, später dann die doppelte Belastung durch Familie und Beruf. Was mit der vermeintlichen Entspannung durch ein “paar Gläser Rotwein” am Abend begann, führte im Verlauf einiger Jahre in eine klinisch manifeste Alkoholsucht. Die Mutter dreier Kinder ist inzwischen seit 15 Jahren “trocken”, betonte jedoch ihr absolutes Angewiesen-Sein auf lebenslange Abstinenz.

Genau hier liegt allerdings ihr Problem: Nicht-Trinken ist aus ihrer Sicht in unserer Gesellschaft nicht wirklich akzeptiert. Gleichzeitig fürchtet sie soziale Stigmatisierung, wenn sie zugibt, wegen ihrer Alkoholkrankheit nicht mehr zu trinken – ihre Suchterfahrung sei bis heute nur wenigen, sehr nahestehenden Menschen überhaupt bekannt.

Nicht-Trinken – sozial ebenso wenig angemessen wie Alkoholprobleme

Ihrer Erfahrung nach bedeutet diese Situation, für das Nicht-Trinken immer wieder sozial anerkannte Begründungen zu finden. Menschen erwarteten von ihr, dass sie Erklärungen dafür liefert, wenn sie “nicht einmal zum Essen” einen guten Wein genießt oder das Glas Sekt zum Anstoßen nicht akzeptiert. In den Fragen schwinge immanent die Vermutung eines Alkoholproblems auf ihrer Seite mit. Im Lauf der Zeit habe sie gelernt, diesen Verdacht auszuräumen, indem sie auf ihre “Horror-Migräne-Attacken” schon nach dem Konsum kleinster Mengen Alkohol verweist. Sie wünscht sich daher, dass der Umgang mit abstinenten Menschen “einfacher und offener” wird und kein Erklärungsdruck gegeben ist. Sie selbst lebe ein glückliches und erfülltes Leben ohne Alkohol, befürchte aber, in eine “soziale Schmuddel-Ecke” zu geraten, wenn sie die wahren Gründe für ihre Abstinenz offenlegt.

Selbstakzeptanz gegen Suchtgefährdung

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer offenbart der Text der Leserin ein Dilemma, unter dem unsere Gesellschaft seit langem leidet: Der Konsum von Alkohol gehört zum “guten Ton”, Abstinenz wird von vielen – ebenso wie “offener” Alkoholmissbrauch bzw. Alkoholsucht – als sozial auffälliges Verhalten gewertet. Unser Rat vor diesem Hintergrund: Gehen Sie selbstbewusst mit Ihrem “Trinkverhalten” um – die Gründe für Ihre eventuelle Abstinenz gehen schließlich niemand etwas an. Falls Sie bei der Bewältigung von Alkoholproblemen sowie der Entwicklung einer konsequenten Haltung gegenüber der bisher vorherrschenden “Trinkkultur” professionelle Hilfe wünschen, begleiten unsere Therapeuten Sie bei Ihren ersten Schritten in ein Leben mit hoher Selbstakzeptanz und ohne Suchtgefährdung.

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Datum: Montag, 7. Januar 2013 11:51
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