Ab wann spricht man von Sucht?

Ein Bier zum Feierabend, ein Piccolo mit Freundinnen. Was sich so harmlos anhört, kann der Beginn einer schleichenden Sucht nach Alkohol sein. So trinkt jeder Deutsche im Schnitt rund 9,6 Liter reinen Alkohol pro Jahr. Ab wann wird der Konsum schädlich und wird jeder, der ab und zu (viel) trinkt, automatisch zum Alkoholiker? Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle; vorrangig sind es genetische Einflüsse, also eine gewisse Anfälligkeit, die vererbt wird. Es gibt nicht das eine Suchtgen, sondern es hängt an vielen Hundert Genen, die in jedem Einzelfall unterschiedlich zusammenwirken.

Ein ausschlaggebender Faktor is beispielsweise die Verfügbarkeit. So ist in Deutschland Alkohol sieben Tage pro Woche 24 Stunden lang verfügbar. Auch das Einstiegsalter spielt eine Rolle. Bei Jugendlichen, die bereits mit elf oder zwölf Jahren mit Alkohol anfangen, liegt das Suchtrisiko bei 40 Prozent. Bei den 15- bis 16-Jährigen beträgt es „nur“ sieben Prozent. Das weit verbreitete Komasaufen unter Kindern wird in spätestens zwei Jahrzehnten deutliche Spuren in den Suchtkliniken hinterlassen.

Immer mehr Kinder greifen schon zur Flasche

Kinder merken früh, dass Alkohol ein fester Teil des Alltags ist. In vielen Wohnzimmern gehören die Flaschen dazu wie das Mobiliar. In den Städten sieht man immer mehr Menschen trinken. Und auch auf dem Land gehört Alkohol bei Festen und in Vereinen dazu. Das nehmen sich Kinder zum Vorbild.

Eltern sollten vor den Augen der Kinder vorsichtig mit Alkohol umgehen. Die Flaschen sollten für Kinder nicht zugänglich sein. Totschweigen kann man das Thema aber nicht. Deshalb besser mit den Kids offene Gespräche führen und den Alkohol nicht mystifizieren. Also über die Gefahren aufklären und nicht tolle Geschichten über Alkohol-Exzesse erzählen.

Man spricht von Abhängigkeit oder Sucht, wenn die Kontrollfähigkeit über den Alkoholkonsum verloren geht, Entzugserscheinungen bei Abstinenz auftreten oder wenn immer mehr getrunken werden muss, um denselben berauschenden Effekt zu erzielen. Demnach gibt es zwei Millionen Alkoholabhängige, aber auch acht weitere Millionen, deren Alkoholkonsum als sehr schädlich und riskant gilt.

Was passiert im Kopf, wenn man regelmäßig und über einen längeren Zeitraum trinkt?

Das Gleichgewicht der Neurotransmitter, die im Hirn für die Übertragung von Reizen verantwortlich sind, verändert sich. Bei dauerhaftem Alkoholgenuss wird ein wichtiger Transmitter, GABA, der uns ruhiger macht, reduziert, Alkohol übernimmt die beruhigende Wirkung. Glutamat, das uns innerlich aufs Gaspedal steigen lässt, wird verstärkt, und sorgt so für vermehrten Antrieb. Ohne Alkohol kommt es zur Dysbalance, zu Entzugserscheinungen und dem sogenannten “Suchtdruck”. Der Betroffene muss ständig für Nachschub sorgen, um sein System herunterzufahren. Deshalb ist es so schwer, die Sucht allein mit dem Willen zu steuern.

Wir können Ihnen weiterhelfen! Wenden Sie sich an die Gesundheitsakademie Schmidbauer.

Be Sociable, Share!

Autor:
Datum: Donnerstag, 26. November 2015 10:21
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Alkoholsucht, Suchtentstehung

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren.
Pingen ist momentan nicht möglich.

Kommentar abgeben